Borgholzhausen-Westbarthausen: Westbarthausener Tonwarenfabrik

Holzweg 41, 33829 Borgholzhausen

Betriebsdauer
1833-1956

Bahnbetrieb

Feldbahn (600 mm)
189x-1956


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Übersicht Werkbahnen

Zwischen Borgholzhausen und Versmold liegt das heutige Naturschutzgebiet „Salzenteichsheide“, eine Heidelandschaft mit zahlreichen Teichen. Der Name verweist auf die Salzgewinnung, die hier seit Mitte des 16. Jahrhunderts betrieben wurde. Das salzhaltige Quellwasser wurde erst in Teichen gesammelt, anschließend in Pfannen kondensiert. Der Holzbedarf der Siedepfannen führte zum Kahlschlag in der Umgebung, wodurch die bis heute erkennbare, namensgebende Heide entstand.

Ab Ende des 18. Jahrhunderts wurde auch der oberflächennahe Ton in der Heide abgebaut, zunächst betrieb der Bauer Lahmann auf seinem Hof eine Feldbrandziegelei für den eigenen und den Bedarf der umliegenden Höfe. 1833 werden die Erben von Wilhelm Lammers im Adressbuch der Provinz Westfalen als Betreiber einer Ziegelei in Westbarthausen erwähnt.

Wann der Übergang zur industriellen Ziegelfertigung erfolgte, ließ sich bislang noch nicht ermitteln. 1895 ist auf der topographischen Karte im Nordwesten der Heide neben dem Hof Lammers bereits eine umfangreiche Ziegelei mit zahlreichen Trockenschuppen eingetragen, eine fast einen Kilometer lange Feldbahn führte zu den Abbaustellen in die Heide.

1905 ist als Betreiber (nicht unbedingt Eigentümer) der Ziegelei ein H. Grothaus angegeben, eine Dampfmaschine als Antrieb wird ausdrücklich erwähnt. Die Besitzer des Hofes Lammert verkauften die Ziegelei zunächst an den Hof Warning, 1911 wurde sie dann an Wilhelm Westerfrölke verpachtet und 1913 verkauft. Westerfrölke betrieb die Ziegelei unter dem Namen „Westbarthausener Tonwarenfabrik Wilhelm Westerfrölke“. Die Produktpalette umfasste neben den üblichen Mauerziegeln auch Falzziegel und Hohlziegel, die frostbeständigen Produkte genossen einen guten Ruf.

Spätestens 1929 konnte die Feldbahn auf Lokomotivbetrieb umgestellt werden, zwischen 1947 und 1952 wurden drei weitere Loks fabrikneu erworben. 1953 war die Fabrik bereits auf den Sohn übergegangen, das Branchenadressbuch verzeichnet die Ziegelei als „Westbarthausener Tonwarenfabrik Herbert Westerfrölke“. Mit über 100 Beschäftigten erreichte die Ziegelei in den 1950er-Jahren den Höhepunkt ihrer Entwicklung, die Anlagen galten als ausgesprochen modern und leistungsfähig, insbesondere die Trocknungsanlagen für Ziegel. Um 1950 soll die Firma Dr. August Oetker sogar Interesse an eine Erwerb der Ziegelei bekundet haben. Umso überraschender kam dann 1956 der Konkurs des Unternehmens. Die nachlassende Tonqualität soll zu zunehmenden Qualitätsproblemen und zu häufigen Garantiefällen wegen mangelnder Frostbeständigkeit geführt haben.

Nach dem Abriss der Ziegelei wurde 1967 auf dem Gelände die neue Betriebsstätte der Bielefelder Firma Kadareit GmbH errichtet, dieses Dienstleistungsunternehmen im Bereich Metallbearbeitung ist nach mehreren Erweiterungen noch immer auf dem ehemaligen Ziegeleigelände (Holzweg 41, 33829 Borgholzhausen) ansässig.

Die Abbaugruben in der Heide, zwischen drei und sechs Meter tief, füllten sich nach der Betriebseinstellung mit Grundwasser. In den 1960er-Jahren wurde das Gelände zunächst an einen Fischereiverein vermietet, ab 1978 pachtete der NABU (damals noch DBV) das Gelände und begann mit der Pflege der Heide. 1993 wurde die Salzenteichsheide als Naturschutzgebiet ausgewiesen, Naturschutzgruppen aus Gütersloh und Bielefeld betreuen das Gebiet in Zusammenarbeit mit der Biologischen Station Gütersloh / Bielefeld (Text: Burkhard Beyer).

Streckenverlauf: Das Ziegeleigelände lag nördlich der Strasse "Holzweg". Die Feldbahnstrecke verließ das Werk in Richtung Süden und querte zunächst den Holzweg. Nach etwa 100 Metern bog die Strecke nach Süden ab und folgte dem Feldweg etwa 300 Meter und knickte beim nächsten Weg wieder nach links. Nach etwa 150 Metern war das Abbaugebiet an der heutigen "Salzenteichsheide" erreicht.
Fahrzeugnummer Hersteller Fabriknr. Baujahr Typ Achsfolge
Westbarthausener Tonwarenfabrik DIEMA 501 1929 LR B-dm       Verbleib ist unbekannt
Westbarthausener Tonwarenfabrik DIEMA 1218 1947 DS 12 B-dm       Verbleib ist unbekannt
Westbarthausener Tonwarenfabrik DIEMA 1371 1950 DS 16 B-dm       Verbleib ist unbekannt
Westbarthausener Tonwarenfabrik DIEMA 1536 1952 DS 12 B-dm        

Westbarthausener Tonwarenfabrik: Betriebsaufnahmen



Bild 1: Im Bilderalbum von Frau Ilse Haßheider ("Heimatverein Bockhorst e.V.") fanden sich einige Bilder vom Feldbahnbetrieb in Westbarthausen, die wir hier gerne zeigen. Sie wurden etwa 1954 gemacht und zeigen zunächst den Beladebetrieb in der Grube. Eingesetzt wurde ein Bagger des Herstellers Dolberg, der hier einen Zug mit fünf Loren belädt. Links ist - leider angeschnitten - eine der DIEMA-Loks zu erkennen.

Bild 2: Der gleiche Vorgang aus einer anderen Blickrichtung gesehen. Das Bild läßt deutlich erkennen, dass hier schwerer Lehm abgebaut wurde.

Bild 3: Sonntagsspaziergang Anfang der fünfziger Jahre: Bei schönem Wetter wurde ein Familienausflug in die Lehmgrube gemacht - und mit den Personen auch gleich die Abbaukante ins Bild genommen.

Bild 4: Auch für die Kinder gab es beim Ausflug etwas Schönes zu entdecken: Eine DEUTZ-Planierraupe, mit der der Nachwuchs gerade in Gedanken schwer arbeitet. Vielleicht hat es mit dem Traumberuf "Raupenfahrer" ja später noch geklappt?

Literatur und Quellen



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