Geschäftsbericht der Strassenbahn Bielefeld für das Jahr 1931



Jahresbericht des Städtischen Betriebsamts Bielefeld.
Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerk, Strassenbahn, Kraftwagenbetrieb und Verkehrsamt
für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1931


Allgemeines

Die im Jahre 1930 bereits festgestellte rückläufige Bewegung in den Produktions- und Verkehrsziffern unserer Betriebe hat leider auch für das Jahr 1931 verschärfte Form beibehalten. Die Arbeitslosenzahl hat in unserem Versorgungsgebiet gegen Ende des Berichtsjahres eine Höhe von ca. 22.000 erreicht, das sind 18% der Einwohnerzahl unseres Versorgungsgebietes. Unter Berücksichtigung dieser Verhältnisse muß die für das Jahr 1931 vorgelegte Bilanz und Erfolgsrechnung noch als befriedigend angesehen werden. Gerade unsere Betriebe reagieren auf die Konjunkturschwankungen der Wirtschaft besonders stark, so dass jede Erschütterung wie bei einem Barometer sofort in der Produktions- bzw. Verkehrsveränderung feststellbar ist. Da von diesen wirtschaftlichen Beeinflussungen nicht nur die Industrie- sondern durch die große Zahl der Arbeitslosen auch der Haushaltsverbrauch und die Frequenz unserer Verkehrsbetriebe stark abhängig sind, haben wir in Erkenntnis der Dinge versucht, durch geeignete Maßnahmen, sei es in der Preisgestaltung oder in der Bearbeitung und Aufschließung neuer Absatz- und Verkehrsmöglichkeiten, diese rückläufige Welle aufzuhalten.

Durch verständnisvolle Mitarbeit aller Beteiligten ist uns dieses Vorhaben zum großen Teil gelungen.

Gaswerk (…) Wasserwerk (…) Elektrizitätswerk (…)

Straßenbahn:

Ein Schmerzenskind der Verwaltung war die Straßenbahn. Die Zahl der beförderten Personen ist von 14.600.000 auf 12.600.000 zurückgegangen, das sind über 2.000.000 Fahrgäste = 13,7%. Auffallend bei dieser rückläufigen Bewegung ist zum ersten Mal die Feststellung, dass die Zahl der Kurzstreckenfahrer erheblich zurückgegangen ist. Hieran kann man ganz besonders die wirtschaftliche Not des Einzelnen feststellen. Während früher allgemein der Standpunkt vertreten wurde, dass ein 10-Pfg.-Stück leicht ausgegeben wird, so ist heute die Beobachtung zu machen, dass das Publikum dazu übergegangen ist, durch Ablaufen der Kurzstrecke das 10-Pfg.-Stück zu verdienen. Ein Zeichen der Zeit.

Die Durchschnittseinnahme für eine beförderte Person ist von 16,63 Pfg. auf 16,72 Pfg. im laufenden Geschäftsjahr gestiegen, wodurch unsere oben gemachten Ausführungen des Rückganges der Kurzstreckenfahrer bestätigt werden.

Am 1. Oktober 1931 waren unsere langjährigen Bemühungen auf Senkung der Beförderungssteuer von einem teilweisen Erfolg beschieden; von diesem Tag an wurde die Steuer von rund 6% auf rund 4 % der Bruttoeinnahmen gesenkt. Die erzielten Einsparungen hieraus in Höhe von RM 8.619,85 mussten auf Anweisung des Finanzamtes einem besonderen Erneuerungsfonds zugeführt werden.

Durch die 4. Notverordnung sind mit Beginn des Geschäftsjahres 1932 einschneidende Tarifumgestaltungen bei den Verkehrsbetrieben vorgenommen worden, die den vorläufigen Erfolg zeitigten, dass auf Grund einer Verfügung des Reichsfinanzministers in Verbindung mit einer Verordnung des Reichskommissars für die Preisüberwachung dem Strassenbahnbetriebe die Beförderungssteuer ab 1. Februar 1932 gänzlich erlassen ist.

Wir wollen hoffen, dass nicht nur der Erlass dieser Steuer, sondern darüber hinaus auch die günstige Tarifgestaltung unserem Verkehrspublikum Anlass zur fleißigen Benutzung der Verkehrsmittel sein wird, damit endlich der weiteren Abwärtsentwicklung des Straßenbahnbetriebes Einhalt geboten wird. Bis jetzt haben die Verluste der Straßenbahn in den letzten Geschäftsjahren eine Höhe von über 500.000 RM. erreicht.

Autobusbetrieb:

Das wirtschaftliche Ergebnis des Kraftwagenbetriebes hat sich trotz der rückläufigen Konjunktur gegenüber dem vorigen Jahre gehoben. Insgesamt wurden 2.673.000 Personen im abgelaufenen Geschäftsjahr befördert, d.h. ein Mehr von rund 200.000 = 8%. Die Durchschnittseinnahme für eine beförderte Person ist ähnlich und aus demselben Grunde wie bei der Strassenbahn von 19,49 Pfg. auf 19,87 Pfg. gestiegen.

Abschreibungen:

Mehr denn je wird in dieser Notzeit Kritik an der Höhe der Abschreibungen geübt. Grundsätzlich muß soviel abgeschrieben werden, wie nötig ist, um die Betriebe in Ordnung zu halten. Auch alle Neubauten sollten aus den Abschreibungen finanziert werden. Werden die Abschreibungen knapp gehalten, so bedeutet dieses, dass die Zukunft mit Kosten belastet wird, die tatsächlich die Gegenwart zu tragen hat.

Anlageminderwert:

Das jahrelang stark umstrittene Konto „Anlageminderwert” wurde am Schluss des Berichtsjahres entsprechend dem weiter gesunkenen Werte der Anlagen aufgelöst.

In der Bilanz waren, wenn der Wiederbeschaffungswert als Unterlage der Abschreibungen dient, auf einem Unterkonto des Kapitalkontos im Jahre 1927 entsprechende Veränderungen des ruhenden Vermögens vorgenommen worden. Das Wertberichtigungskonto war ein Reservekonto, das die Möglichkeit geben sollte, genau wie bei gut geleiteten privaten Wirtschaftsunternehmungen in guten Zeiten nicht verwendete Abschreibungsmittel zu sammeln, um bei Umkehr der Konjunktur mit diesem Kapital sicherer und zielbewusster disponieren zu können.

Wir haben durch Abschreibung eines Teiles des Anlage-Minderwertes aus konjunktur-wirtschaftlichen Gründen die Anpassung des Wertes der Passiven an den in der Geldeinheit zurückgegangenen Wert der Aktiven durch eine Herabsetzung des äußeren Geldwertes vorgenommen.

Stille Reserven verleihen den Werken in schweren Zeiten eine größere Widerstandskraft und ermöglichen eine ruhige Entwicklung. Sie stehen im Dienst einer Gewinnegalisierung, weil sie die Möglıchkeıt der Ausschüttung versteckter Gewınnteile in mageren Jahren bieten und daher eine gleichmäßige Rente gewährleisten. Gerade die Stadtverwaltungen als Besitzer kommunaler Versorgungsbetriebe rechnen in den Notzeiten mit einer gleichmäßigen Rente aus ihren Werken als Rückgrat ihrer Finanzen und haben für eine Einschränkung der Gewinnabführung auf Grund allgemein konjunktureller Rückschläge kaum Verständnis.

Die städtischen Körperschaften werden aus ganz verständlichen Gründen mit der Gewinnausschüttung ihrer Betrıebe nie ganz zufrieden sein, da sie gewöhnlich den Standpunkt vertreten, dass erst die Gewinne kommen müssen, und was übrig bleibt, für Abschreibungen genügen müsse; und doch muss es bei wirtschaftlich richtig geleiteten Betrieben gerade umgekehrt sein. Die Notzeit ist auch hier der beste Lehrmeister und zeigt rückwärtsschauend, wie vieles in städtischen Unternehmungen durch Eingriffe der städtischen Körperschaften falsch gemacht worden ist. Weitblickende Führer mussten daher dafür sorgen, sich auf irgendeine Weise stille Reserven für Notzeiten zu verschaffen.

Stille Reserven verhindern besonders in Zeiten des Mangels an flüssigen Betriebsmitteln eine Entblößung von notwendigen Barsummen und dienen daher zur Erhaltung der Liquidität. Die Möglichkeit der Ausdehnung der Versorgungsbetriebe durch Selbstfinanzierung macht sie vom Kapitalmarkt unabhängig und liefert ein zinsen- und kostenfreies Zusatzkapital. Was das bedeutet, beweisen in letzter Zeit die vielen Zusammenbrüche der Unternehmungen, die aus Mangel an Eigenkapital fremden Kredit kurzfristig aufnehmen mussten, weil sie in guten Jahren nicht rechtzeitig für kommende magere Jahre vorgesorgt hatten und die durch zu hohe Gewinnausschüttung, z.T.aus der Substanz, nach Außen den Anschein gut geleiteter Unternehmungen erweckten.

Klagesachen (…) Persönliches (…)

Gewinn- und Verlustrechnung (…): Gaswerk (…), Wasserwerk (…), Elektrizitätswerk (…)

Gewinn- und Verlustrechnung Strassenbahn

Die Einnahmen aus Fahrgeldern sind von rund 2.495.833 RM. auf 2.172.164 RM., d.h. um 13,2% gefallen. Die Ausgaben für den Betrieb, die Unterhaltung und Verwaltung sind von 1..971.913 RM. Um 133.589 RM. auf 1.838.324 RM. im laufenden Geschäftsjahr zurückgegangen. Wenn auch hier rund 72.435 RM. eingesparte Löhne und Gehälter an die Kämmereikasse abgeführt werden mussten, war es doch möglich, durch Einschränkungen im Betrieb der Strassenbahn weitere Einsparungen zu erzielen.

Die Ausgaben für Zinsen sind um rd. 15.000 RM. auf 189.995 RM. gesunken, ebenso sind die Abschreibungen auf Anlagen statt 450.530 RM. nur 337.515 RM. Im laufenden Geschäftsjahr eingesetzt.

Als letzte Rate auf Kursverluste der Anleihen wurden 75.000 RM, abgeschrieben. Trotz der Ausgabensenkung in allen Sparten beträgt der Verlust der Strassenbahn für das laufende Geschäftsjahr einschließlich Zuschuß des Verkehrsamtes in Höhe von 33.093 RM. 312.384 RM., was gegenüber dem Vorjahr ein Mehr von über 72.000 RM.bedeutet, das ist die Summe der an die Kämmereikasse abgeführten Einsparungen an Löhnen und Gehältern.

Gewinn- und Verlustrechnung Autobusbetrieb:

Die Gesamteinnahmen stiegen im laufenden Geschäftsjahr von 485.227 RM. Auf 531.500 RM. = 9,5%. Die Ausgaben für Betrieb, Unterhaltung und Verwaltung erhöhten sich im abgelaufenen Geschäftsjahr durch Vergrößerung des Betriebes von rund 449.766RM. auf 497.377 RM., was ein Mehr von 10,4% bedeutet. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, daß ein Betrag von 14.688 RM. unter „Steuern und Abgaben“ als Ausgabe erscheint, der an die Kämmereikasse als Abgabe für eingesparte Löhne und Gehälter abgeführt ist.

Durch Anschaffung aus fremden Mitteln in Höhe von rund 160.469 RM. ist durch Erhöhung des Fremdkapitals der Zinsendienst um 9.327 RM. auf 28.150 RM. im laufenden Geschäftsjahr gestiegen. Die Abschreibungen sind von 73.400 RM. auf ungefähr 60.831 RM. zurückgegangen. Im Endergebnis weist der Kraftwagenbetrieb einen Verlust von 34.858 RM. gegenüber 56.700 RM. im Vorjahre auf.

Verkehrsamt (…)

Leistungen an die Stadt:

In den Ausgaben für 1931 sind folgende Leistungen an die Stadt enthalten:

784 000 RM.: Konzessionsabgabe des Eltwerkes,
6.000 RM: Anteil Straßenunterhaltung (Kraftwagen),
192.899,30 RM: Lohn- und Gehaltsersparnisse,
192.000 RM: Rohrnetzabgabe des Gaswerks,
133.633,55 RM: Rohrnetzabgabe des Wasserwerks,
170.000 RM: Abgabe an das Wohlfahrtsamt
360.644,46 RM: Kosten der öffentlichen Beleuchtung
132.025,29 Gewerbesteuer
22.500 RM: Anteil zu den Kosten der allgemeinen städtischen Verwaltung.
(Summe:) 1.993.702,30 RM.

Hierbei sind die Gemeindegrundsteuer und der Anteil an der Hauszinssteuer nicht berücksichtigt; ebenso nicht

1. die städtischen Gebühren (Kanalabgaben usw.)
2. der von der Straßenbahn getragene Verlust des Verkehrsamtes in Höhe von 35.093,96 RM.
3. der lt. Haushaltsplan der Stadt Bielefeld Seite 14 für 1931 an das Bauamt zu leistende Beitrag zu den Straßenunterhaltungskosten von 34.000 RM.
4. 215 Freifahrtkarten für Stadtverordnete, Magistrat, Wohlahrtsamt usw.
5. der Wert der Freibelieferung bzw. zu Sonderpreisen an Gas, Wasser, Strom, Koks usw. in Höhe von rd. 70 000 RM.


In den Aufwendungen sind ferner u. a. enthalten:
72.391,73 RM.: Versicherungsprämien,
105.494 RM. an die Ruhelohnkasse (für Arbeiter),
112.515,17 RM. an die Ruhegehaltskasse (f. Beamte),
203.976,50 RM. an das Finanzamt gezahlte Reichssteuern.

Bilanz (…), Aktiva (…), Passiva (…)


Straßenbahn 31. Betriebsjahr

Die im Jahre 1931 zunehmende Verschlechterung der Wirtschaft mit ihren Folgeerscheinungen brachte dem Straßenbahnbetriebe einen erheblichen Verkehrsrückgang. Die Einnahmen verminderten sich gegenüber 1930 von 2.495.834 auf 2.172.165 RM. Um den Ausfall der Einnahmen in Höhe von 13% einigermaßen auszugleichen, wurden die Ausgaben durch Einschränkung notwendiger Unterhaltungsarbeiten gedrosselt und Einsparungen durch Zurückziehung von Anhängewagen und Einführung des 7 ½- Minutenverkehrs anstelle des 5-Minutenbetriebs auf der Linie 3 an Sonntagen ab 18.10.1931 erzielt.

Einsparungen auf Grund der 4. Notverordnung in Verbindung mit der Genehmigung unseres Antrages auf vollen Erlass der Beförderungssteuer forderten von uns die Senkung der Fahrpreise ab 1. Februar 1932 um durchschnittlich 10%; durch diese Senkung der Fahrpreise lässt sich ein weiterer Abfall in der Beförderungsziffer voraussichtlich vermeiden.

Veränderungen im Wagenpark traten nicht ein. Es wurden in der Straßenbahnwerkstatt 49 Hauptuntersuchungen an Triebwagen und 26 Anhängerwagen vorgenommen. Insgesamt wurden 7 durch Zusammenstöße beschädigte Trieb- und Anhängewagen wieder instand gesetzt. Mit einer Neulackierung wurden versehen 20 Trieb- und 14 Anhängewagen. Die letzten 4 noch offene Perrons führenden Triebwagen erhielten in eigener Werkstatt geschlossene Plattformen. 8 Triebwagen wurden als Ersatz für im Wageninneren befindliche, im Sommer unerträgliche Wärme verursachende Anfahrwiederstände mit neuen auf dem Wagendache untergebrachten Anfahrwiderständen ausgerüstet; in weitere 14 Triebwagen wurden besondere je 4 bzw. 2 Heizkörper von je 500 Watt eingebaut.

Zur Beseitigung der durch die Straßenbahn hervorgerufenen Rundfunkstörungen wurden die alten mit Aluminiumschleifstück ausgerüsteten Lyrabügel auf Grund einer Abmachung mit der Reichspost durch Scherenstromabnehmer mit Kohleschleifstück ersetzt.

Der Bau der geplanten Straßenbahnhauptwerkstatt musste einstweilen noch zurückgestellt werden.

Außer verschiedenen kleineren Unterhaltungsarbeiten an Gleis- und Oberleitungsanlagen wurden erneuert: 360 m Kurvengleis im Verbundstahl Profil 4 und insgesamt 1400 m durchgehendes Gleis in Siemens-Martin-Stahl ebenfalls in Profil 4, in der Herforder Straße, in der Ulmenstraße und vor dem Rathaus, sowie insgesamt 2500 m Fahrdraht. Zwei schadhafte Weichen und ein Linkswechsel wurden durch neue Weichen im gleichen Profil ersetzt.

Zur Erleichterung von Rangierbewegungen auf dem Jahnplatz, insbesondere bei Störungsfällen, wurde in der Herforder Straße vor der Kreissparkasse ein Rechtswechsel eingebaut.

Im Fahrdienst konnten trotz der erforderlichen Betriebseinschränkungen zu Beginn des Jahres und weiterhin durch Einführung eines 48stündigen Wochendienstes anstelle des bislang eingeführten 54stündigen Dienstes insgesamt etwa 30 Mann der Arbeitslosenfürsorge entzogen und bei der Strassenbahn in Dienst gestellt werden. Die zu Anfang des Jahres 1932 notwendige weitere Herabsetzung des Wagenangebotes zwang uns jedoch, zum 31.12.1931 wieder 19 Mann zu entlassen.

Die Zahl der den Behörden gemeldeten Unfälle betrug 64, davon verliefen 27 ohne, 33 mit leichten und 3 mit schweren Verletzungen, während ein Unfall tödlich ausging. 41 dieser Unfälle waren auf Selbstverschulden, davon 26 durch Auf- und Abspringen während der Fahrt, 19 auf unglücklichen Zufall und 4 auf Notbremsungen zurückzuführen. An den Unfällen waren 42 Fahrgäste, 5 Fußgänger, 2 Bedienstete und 2 Streckenarbeiter beteiligt.


Kraftwagenbetrieb 7. Betriebsjahr

Gleicher Weise wie die Straßenbahn schnitt auch der Omnibusbetrieb im Jahre 1931 erheblich schlechter als im Jahre 1930 ab. Die Beförderungsziffer ist zwar von 2.485.908 des Vorjahres um 7,5% auf 2.673.148 gestiegen, bleibt aber hinter dem 25,5%igen Zuwachs der Betriebsleistung, die 756.871 Wagenkilometer erreichte, wesentlich zurück.

Es zeigt sich gerade im innerstädtischen Verkehr nach dem Jahresende zu ein ganz beträchtlicher, auch Anfang des Jahres 1932 noch anhaltender Verkehrsrückgang. Zwangsläufig mit dem Straßenbahnbetriebe musste auch im Omnibusbetriebe infolge einheitlicher Tarifgestaltung Anfang 1932 eine Fahrpreisreduzierung von durchschnittlich 10% vorgenommen werden.

Die im Jahre 1930 beantragte Werktagslinie Bielefeld - Quelle – Brackwede - Senne I - Senne II konnte nach erteilter Genehmigung am 9. Juli 1931 in Betrieb genommen werden, nachdem bereits am 24. Mai (1931) die im Stadtinnern liegende Teilstrecke Jahnplatz - Schildhof dieser Linie dem Verkehr übergeben werden konnte. Die Linie zur Senne hat eine Länge von 15,8 km und die nach Schildhof von 2,75 km. Das gesamte Streckennetz der städtischen Autobuslinien hat damit eine Länge von 39,15 km erreicht, nicht eingerechnet die 25 km lange Sonntagslinie Bielefeld – Sieker – Oerlinghausen - Sennefriedhof, die auf 17,6 km die Werktagslinien 7 Sieker - Oerlinghausen und 10 Bielefeld - Senne II überdeckt. Die innerstädtischen Linien 6 und 9 wurden zusammengelegt; dank dieser Maßnahme ließen sich Einsparungen erzielen, die dem Verkehr nach dem Wellensiek durch Einführung einer dichteren, viertelstündlichen Wagenfolge wieder zugute kamen.

Der Wagenpark wurde infolge dieser Ausdehnung des Liniennetzes und als Ersatz für abgeschriebene Autobusse um 4 Triebwagen und einen 40sitzigen Beiwagen verstärkt; darunter befinden sich 2 Dreiachser mit einem Fassungsvermögen von je 50 Sitzplätzen und einer Motorleistung von 110 PS, 2 Zweiachser je 40 Sitze fassend, von denen der eine mit einem 100-PS-Benzin-Motor, der andere mit einer 85-PS-Schweröldieselmaschine ausgerüstet ist. Die sehr gute Betriebsergebnisse zeitigende Dieselmaschine wird uns veranlassen, im kommenden Jahre weitere Dieselmaschinen einzuführen, die uns eine gute Handhabe bieten werden, die Ausfälle infolge gesunkener Verkehrsziffern einigermaßen wettzumachen.

Eine neue Garage mit 12 Ständen wurde errichtet zur Aufnahme von 4 Omnibussen und von 3 Lastwagen, deren bisherige Unterstellräume für notwendige Erweiterungen der Werkstatt des Elektrizitätswerkes verwandt werden mussten.

In eigener Autobushalle werden insgesamt 9 Hauptreparaturen vorgenommen; 6 Neu-lackierungen wurden an -Bielefelder Lackierwerkstätten vergeben. Die geplante neue Werkstatt konnte in Ermangelung der erforderlichen Mittel nicht gebaut werden. Außer den genannten Hauptreparaturen wurden neben den laufenden sonstigen Unterhaltungen 5 außerordentliche vorgenommen. Zum Reifenfüllen wurde ein automatisch wirkender Luftkompressor beschafft.

Die Unfallziffer ist als gering zu bezeichnen, von den 23 Unfällen verliefen 5 ohne und 18 mit leichten Verletzungen. 7 Fälle waren auf Selbstverschulden zurückzuführen, während in 16 Fällen unglücklicher Zufall vorherrschte. Ein Verschulden von Fahrbediensteten hat ın keinem Falle festgestellt werden können. Fahrgäste wurden von den Unfällen nicht betroffen.


Quelle: Jahresbericht des Städtischen Betriebsamts Bielefeld. Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerk, Strassenbahn, Kraftwagenbetrieb und Verkehrsamt für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1931 (Stadtarchiv Bielefeld). Die Angaben in Klammern wurden zum besseren Verständnis ergänzt.

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