Geschäftsbericht der Strassenbahn Bielefeld für das Jahr 1930



Jahresbericht des Städtischen Betriebsamts Bielefeld.
Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerk, Strassenbahn, Kraftwagenbetrieb und Verkehrsamt
für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1930


Allgemeines

Das abgelaufene Geschäftsjahr stand unter dem Einfluss des wirtschaftlichen Tiefstandes, der In- und Ausland in gleicher Weise erfasste. Äußere Merkmale dieser Wirtschaftsnot sind Rationalisierungsmaßnahmen auf den verschiedensten Gebieten, Absatzmangel, Zahlungsschwierigkeiten, Betriebseinschränkungen, Stilllegung industrieller Werke und als Folge starkes Anwachsen der Arbeitslosenziffer.

Die Absatzschwierigkeiten, mit denen die öffentliche und private Wirtschaft Bielefelds zu kämpfen hatte, sind im Laufe des Berichtsjahres besonders in der zweiten Hälfte von Monat zu Monat weiter gewachsen, so dass die Arbeitslosenzahl im Bielefelder Wirtschaftsgebiet am Jahresende mit ungefähr 18.000 eine Höhe erreicht hat, die weit über dem Stand der früheren Jahre liegt. Dieser ungünstigen Wirtschaftsentwicklung entspricht infolge seiner Abhängigkeit davon auch das wirtschaftliche Ergebnis der städtischen Betriebe im abgelaufenen Geschäftsjahr. Dazu kam die Aussperrung in der Bielefelder Metallindustrie, die vom 11. November bis zum 10. Dezember (1930) dauerte, wodurch eine weitere Verminderung in der Abgabe von Gas, Wasser und Strom sowie ein Rückgang im Straßenbahn- und Autobusverkehr eintrat.

Ob sich die allgemeine Lage in absehbarer Zeit bessern wird, hängt von Faktoren ab, die zum weitaus größten Teil außerhalb der eigentlichen Wirtschaft liegen. Die Aussichten in dieser Richtung sind nicht allzu gut.

Das Gaswerk zeigt einen Rückgang in der Erzeugung von 15.810.930 m3 im Jahre 1929 auf 15.598.960 m3, d.h. um 1,34%; das Wasserwerk von 4.672.018 m3 auf 4.286.724 m3, d.h. um 8,24%; das Eltwerk von 42.717.200 kWh auf 39.931.500 kWh, d.h. um 6,5%; der Straßenbahnverkehr von 15.140.978 Personen auf 14.620.091 Personen, d.h. um 3,44%; -der Autobusverkehr zeigt nur durch die Einrichtung der beiden neuen Linien nach Oerlinghausen-Stadt und Bielefeld-Wellensiek eine Zunahme. Die Zahl der beförderten Personen stieg von 2.312.058 auf 2.485.908, d.h. um 7,5%.

Der Rückgang in der Erzeugung von Gas und Strom ist in erster Linie auf die geringere Abgabe für die Industrie zurückzuführen. Die Abgabe von Gas für die Industrie ist von 2.706.806 m3 auf 1.959.823 m3, d.h. um 27,6% zurückgegangen, die Abgabe von Strom (Licht und Kraft) für die Industrie von 21.537.739 kWh auf 18.317.245 kWh, d.h. um 15,0%. Die Abgabe von Gas und Strom für den Haushalt und das Gewerbe ist durch eine große Anzahl neuer Anschlüsse und durch intensivere Werbung um ein geringes, besonders beim Eltwerk durch höhere Abgabe von Beleuchtungsstrom, gestiegen und zwar beim Gaswerk von 9.626.884 m3 auf 9.670.790 m“, d.h. um 0,45%, beim Elektrizitätswerk von 9.566.861 kWh auf 9.785.831 kWh, d.h. um 2,29%.

Wenn die geförderte Wassermenge um 385.294 m3 gegen das Jahr 1929 zurückgeblieben ist, so hat dieses seinen Grund in den zur Sicherstellung der Wasserversorgung während der Wasserknappheit im Sommer getroffenen Zwangsmaßnahmen. Der durch die geringen Niederschläge des Jahres 1928 um ungefähr 1,2 m abgesunkene allgemeine Grundwasserstand hatte sich nicht wieder soweit erholt, dass die Pumpen ihre volle Leistungsfähigkeit hergeben konnten.

Eine merkbare Erleichterung in der Wasserversorgung wäre eingetreten, wenn das bereits fertiggestellte Wasserwerk 3 hätte in Betrieb genommen werden können. Der schon am 14. März 1928 beim Bezirksausschuss in Minden gestellte Verleihungsantrag für dieses 3. Wasserwerk harrt immer noch seiner Erledigung. Um nicht bezüglich der Wasserversorgung in Not zu geraten, wurde Anfang Juli (1930) eine 25%ige Einschränkung im Wasserverbrauch bei Zahlung des dreifachen Wasserpreises bei Mehrverbrauch verordnet. Dieser Zustand besteht z. Zt. noch.

Die im Jahre 1929 begonnene Verlegung der Ruhrgas-Fernleitung von Hamm nach Hannover zur Versorgung der Stadt Hannover wurde im Jahre 1930 fertiggestellt. Mitte des Jahres wurde die Gaslieferung nach Hannover aufgenommen. Die Leitung wurde durch den Landkreis Bielefeld gelegt. Nach der Eingemeindung vom 1. Oktober 1930 liegen Teile der Gasfernleıtung auch im Stadtgebiet.

Durch die Einführung des Haushaltsgrundgebührentarifs, durch Gewährung von Sondertarifen für Gewerbe und Industrie ist die Durchschnittseinnahme für 1 m3 erzeugtes Gas von 12,96 Pfg. im Jahre 1929 auf 12,32 Pfg. im Jahre 1930 gesunken. Eine weitere fühlbare Senkung der Durchschnittseinnahmen wird für das Jahr 1931 eintreten, wenn die neuen Vorzugs-Gaspreise voll zur Auswirkung gekommen sind.

Für 1 m3 gewonnenes Wasser wurde eine Durchschnittseinnahme von 19,14 Pfg. erzielt gegen 17,92 Pfg. im Jahre 1929, weil die Wasserpreiserhöhung vom 1. April 1929 von 22 Pfg. auf 25 Pfg. pro m3 im Berichtsjahr voll zur Auswirkung kam.

Die Durchschnittseinnahme für eine erzeugte kWh betrug im laufenden Geschäftsjahr 11,35 Pfg. gegen 10,98 Pfg. im Jahre 1929. Die Steigerung ist durch die geringere Abgabe des billigen Industriestromes eingetreten.

Am 1. Januar 1930 gelangte zur Steigerung des Gas- und Stromverbrauchs im Haushalt ein Haushaltungsgrundgebühren-Tarif zur wahlweisen Einführung. Die Grundgebühr wird nach der Zimmerzahl gestaffelt; der Gaspreis beträgt bei Zahlung einer Grundgebühr 10 Pfg. pro m3, der Preis einer kWh 15 Pfg.

Vom 1. Dezember 1930 ab wurde der Grundpreis für Licht auf Grund der eingetretenen Kohlenpreissenkung um 1 Pfg. auf 44 Pfg. pro kWh ermäßigt. Eine weitere Strompreissenkung wird im Laufe des Jahres 1931 erfolgen müssen. Voraussetzung hierbei ist jedoch, dass in Zukunft an Gewinn nicht mehr ausgeschüttet wird, als sich rein buchmäßig ergibt.

Das erste Berichtsjahr des Hauses der Technik zeigt ein günstiges Ergebnis. Die Ausstellung im Hause wurde von insgesamt 31.797 Personen (täglich 106) besucht. 14.657 Beratungen (täglich 49) über Gas- und Stromgeräte sowie über Tarife wurden erteilt. Es wurden 140 Vorträge über die Anwendung von Gas und Strom im Haushalt, Gewerbe und Industrie, mit einer Gesamtzahl von rund 14.000 Besuchern abgehalten. Die durchschnittliche Besucherzahl eines Vortrages betrug demnach rund 100. Neben den Vorträgen wurden insgesamt 34 Kurse mit einer Teilnehmerzahl von 1.033 in der Lehrküche sowie in den sonstigen Demonstrationsräumen abgehalten. Zwei Fortbildungskurse für Gas-Installateure mit 106 Teilnehmern und ein Kursus für Elektro-Installateure mit einer Besucherzahl von 80 Personen, sowie ein Verkäuferinnen-Kursus mit 50 Teilnehmern ergänzten die große Zahl von sonstigen fachwissenschaftlichen Veranstaltungen.

In Verbindung mit dem Hause der Technik veranstaltete die Werbeabteilung in den durch uns mit Strom versorgten Landkreis-Gemeinden 15 Vorträge für die Hausfrauen mit einer Besucherzahl von 1.700 Besuchern. Außerdem wurde eine Bügeleisen-Werbewoche gemeinsam mit den Fachgeschäften durchgeführt. Eine von dem Hausfrauen-Verein veranstaltete Ausstellung auf dem Johannisberg wurde durch einen besonderen Stand beschickt. Regen Anklang fand eine besondere Weihnachtsausstellung, verbunden mit Weihnachtsbäckerei auf Gas- und Stromgeräten, sie wurde von über 9.000 Personen besucht.

Das HdT.-Teilzahlungsgeschäft hat trotz der schlechten Konjunktur ein gutes Ergebnis gezeitigt. Es wurden insgesamt 179 Teilzahlungsverkäufe getätigt. Durch enge Zusammenarbeit mit den beteiligten Gruppen der Fachgeschäfte wurde ein typisierter Volksgasherd mit Erfolg propagiert. Durch Werbung für Heiz- und Gewerbegas wurden 366 Anlagen mit 1.203 m3 Anschlusswert neu angeschlossen.

In der heutigen Notzeit der Kommunen ist es auch für den Außenstehenden immer mehr erkennbar, dass auch die kommunalen Werke nach gesunden, von parteipolitischen Einflüssen unberührten Grundsätzen, genau so wie die privaten und gemischt-wirtschaftlichen Unternehmungen, geleitet werden müssen. Die streng kaufmännische Gebarung muss ausreichende Tilgungs- und Erneuerungsfonds und sonstige Reserven schaffen, die aus nicht ausgeschütteten Gewinnen gebildet werden, die ausschließlich für die Zwecke der Werke bestimmt und auch verfügbar sind, wenn Mittel für Erneuerungen und Erweiterungen gebraucht werden. Neben einer guten Rente muss eine entsprechende Geldflüssigkeit verbleiben.

Die öffentlichen Versorgungsbetriebe sind gemeinnützige Betriebe. Sie müssen aus kommunalpolitischen Gründen Gas, Wasser und Strom auch in die Gebiete liefern, wo vielfach, vor allem in den ersten Zeiten, kein Gewinn zu erwarten ist, damit der Vorteil der einwandfreien und ausreichenden Versorgung möglichst weiten Kreisen der Bevölkerung zugänglich wird.

Die am 1. Oktober d.J. (1930) durchgeführte Eingemeindung wird in den nächsten Jahren an die Werke erhöhte Anforderungen stellen. Das alte Stadtgebiet, das eine Größe von 1.677 ha umfasste und rund 90.000 Einwohner zählte, vergrößerte sich auf 4.682 ha und 120.629 Einwohner. Hiervon sind aber nur rund 100.000 mit Gas und Wasser versorgt, während die Stromversorgung im eingemeindeten Gebiet ziemlich restlos durchgeführt war.

Die Vermögenslage ergibt durch die Eingemeindung insofern ein anderes Bild als beim Gaswerk rund 175.000 RM. Verteilungsanlagen vom Konto Fortleitung Landkreis auf Konto Fortleitung Stadtkreis umgebucht wurden. Beim Elektrizitätswerk betrug diese Summe 628.000 RM. Und beim Wasserwerk rund 94.000 RM.

Durch nachträgliche Höher-Aufwertung der Anleihe 1 beim Elektrizitätswerk weist dieses Konto gegenüber dem Vorjahr eine Erhöhung von 167.078 RM. auf.

Die Anlage-Zugänge im abgelaufenen Geschäftsjahr betrugen beim Gaswerk 550.000 RM., beim Wasserwerk 311.000 RM., beim Elektrizitätswerk 862.000 RM., bei der Straßenbahn 24.000 RM. und beim Kraftwagenbetrieb 73.000 RM.

Die geringen Zugänge bei der Straßenbahn finden ihre Erklärung dadurch, dass es dem Straßenbahnbetrieb bei den heutigen Betriebsverhältnissen und der sich immer mehr als unerträgliche Sonderbelastung auswirkenden Verkehrssteuer, die im letzten Jahre allein über 130.000 RM. betrug, nicht möglich ist, neue Kapitalien zu investieren.

In der Gewinn- und Verlustrechnung des Gas- und Elektrizitätswerkes erscheinen unter Konto Steuern und Abgaben erstmalig Rohrnetz- bzw. Kabelnetzabgaben für die Hergabe der Straßen an die Stadt Bielefeld. Diese Beträge werden auf der Passiv-Seite der Bilanz unter „Verschiedene Gläubiger“ entsprechend nachgewiesen.

Die Gesamteinnahmen aller Werke sind von 12.003.164 RM. im Jahre 1929 auf 11.713.472 RM. im Jahre 1930, d.h. um 2,4% gesunken.

Die Zins- und Tilgungsbeträge betrugen im Berichtsjahr 798.184 RM., an Steuern wurden insgesamt 365.665 RM. gezahlt. An sonstigen Abgaben wurden außer Rohrnetz- und Kabelnetzabgabe 81.259 RM. abgeführt.

Die öffentliche Straßenbeleuchtung im Betrage von 410.402 RM. wurde kostenlos gestellt.

Bei einem Brutto-Überschuss von 3.266.894 RM. wird das Anlagekapital (Anschaffungswert) der Werke im Durchschnitt mit 7,8% verzinst.

Der Personalbestand war am 31. Dezember 1930: 46 Beamte, 88 Dauerangestellte, 35 Hilfsangestellte und 883 Arbeiter, insgesamt also 1.052 Personen. 5 Beamte und 15 Arbeiter konnten im Jahre 1930 auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken. 1 Beamter und 5 Arbeiter unserer Werke traten im Berichtsjahre in den wohlverdienten Ruhestand.

Alle weiteren Angaben sind aus den Berichten über die einzelnen Werke zu entnehmen.

Straßenbahn. 30. Betriebsjahr

Im Laufe des Berichtsjahres sind im Wagenpark der Straßenbahn nur geringe Veränderungen eingetreten. Neue Wagen wurden nicht eingestellt; nachdem drei vollständig unbrauchbare Anhängewagen verschrottet sind, umfaßt der Wagenpark zurzeit 61 Trieb- und 53 Anhängewagen; außerdem stehen in Reserve drei aus dem Jahre 1900 stammende Triebwagen, die nur im äußersten Notfalle in Betrieb genommen werden. Ein ebenfalls aus 1900 stammender Triebwagen wurde, um die Anschaffung eines notwendig einzustellenden zweiten Salzwagens zu ersparen, in einen Salzwagen umgebaut.

In eigener Werkstatt wurden an weiteren 7 Triebwagen die bislang offenen Plattformen in geschlossene umgebaut; damit erhöht sich die Zahl der Straßenbahnwagen, die die Werkstatt mit geschlossenen Plattformen versah, auf 28 Trieb- und 6 Anhängewagen. Ohne die Reservewagen sind nunmehr 92% aller Trieb- und 90% aller Anhängewagen mit geschlossenen Plattformen ausgerüstet.

In der Straßenbahnwerkstatt wurden insgesamt 51 Hauptuntersuchungen an Triebwagen und 20 Hauptuntersuchungen an Anhängewagen vorgenommen. Neben den üblichen kleineren Instandsetzungsarbeiten wurden 4 durch Zusammenstöße beschädigte Trieb- und Anhängewagen instandgesetzt. Eine Neulackierung in eigener Werkstatt erhielten 17 Trieb- und 5 Anhängewagen.

In zwei Triebwagen wurden die im Wageninnern liegenden Anfahrwiderstände durch auf dem Dach untergebrachte Widerstände ersetzt und gleichzeitig besondere Heizkörper aufgestellt.

Zum Transport für Streusand der Triebwagen wurde ein Elektrokarren beschafft.

Zwecks Verhütung von Unfällen wurden wegen beengter Einfahrt zu der Wagenhalle 3 die alten Tore beseitigt und an deren Stelle eine Falttoranlage eingebaut, deren Flügel sich beim Öffnen in seitliche Nischen legen und damit die Durchfahrt in voller Breite gestatten.

Jahre 1930 konnte der schon seit Jahren beabsichtigte Neubau einer Straßenbahnwerkstatt als Ersatz für die vollkommen veraltete und unzulängliche Werkstatt, die noch aus dem Jahre 1900 stammt, wo der Wagenpark einen Bestand von 20 Wagen gegenüber einem derzeitigen Stande von 117 Wagen aufwies, aus Mangel an Mitteln nicht verwirklicht werden. Wenn auch noch wichtige Gleisarbeiten im Jahre 1931 auszuführen sein werden, so steht an erster Stelle aller Arbeiten der Bau einer neuen Werkstatt.

Neben zahlreichen kleineren Unterhaltungsarbeiten und Erneuerungen, wie Auswechselung schadhafter Gleiskurven und abgenutzter Oberleitungen, wurden an größeren Erweiterungsarbeiten und Umbauten auf den bestehenden Linien folgende durchgeführt.

1. Linie 1: Zweigleisiger Ausbau der Straßenbahn in der Hauptstraße in Brackwede, von der Osningstr. Bis zur Wirtschaft „Börse“ im Normalprofil 4 auf eine Länge von 145 m und gleichzeitig Ersatz des bestehenden Gleises, ebenfalls im Normalprofil 4 in gleicher Länge.
2. Linie 2: 260 m Gleiserneuerung in der Ulmenstraße vom Landgericht bis zur Ravensberger Straße, ebenfalls im Normalprofil 4.

Bei den Gleisarbeiten wurden insgesamt 105 Stöße alluminuthermisch geschweißt; neben dem Klemmapparatverfahren, für neue Gleise geeignet, kam erstmalig das Schmelzgußverfahren zur Anwendung für bereits verlegte Schienen, und zwar bei insgesamt 78 Stößen.

Den Behörden wurden 71 Unfälle gemeldet; davon verliefen 30 ohne, 30 mit leichten und 4 mit schweren Verletzungen, während ein Unfall tödlichen Ausgang hatte. Von diesen Unfällen waren 46 auf Selbstverschulden (38 durch Auf- und Abspringen während der Fahrt), 17 auf unglücklichen Zufall und 8 auf Notbremsungen zurückzuführen. Von den von den Unfällen betroffenen Personen waren 55 Fahrgäste, 10 Radfahrer, 4 Fußgänger und 2 Bedienstete.

Kraftwagenbetrieb. 6. Betriebsjahr

Die Entwicklung des Omnibusbetriebes im Jahre 1930 ist, verglichen mit der des Jahres 1929, als außerordentlich günstig anzusprechen. Trotzdem als Folge der Wirtschaftsnöte die Durchschnittseinnahme, auf den Wagenkilometer bezogen, von 82 Pfg. im Jahre 1929 auf 77,5 Pfg. im Berichtsjahre fiel, wurde durch die äußerste Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel und die dadurch um 19% gestiegene Betriebsleistung, die von 526.841 km im Jahre 1929 auf 626.602 km im Jahre 1930 wuchs, ein Betriebsüberschuss von 16.638 RM. erzielt, während das Jahr 1929 mit einem Fehlbetrag von 2.063 RM. abschloss.

Dieses günstige Ergebnis wurde erzielt, obwohl es uns versagt blieb, den Omnibusbetrieb, wie beabsichtigt, durch zwei weitere Linien nach Augustdorf und nach Ummeln zu erweitern, Die von uns im Jahre 1930 nachgesuchte Genehmigung auf Einrichtung einer Autobusverbindung von Bielefeld über Brackwede und Quelle mit Ummeln wurde durch Entscheidung des Handelsministeriums abgelehnt und der Reichspost und Reichsbahn, die aus Konkurrenzgründen Einspruch gegen unseren Plan erhoben hatten, zur gemeinschaftlichen Führung dieser Linie, die sie bis Gütersloh ausdehnten, erteilt.

Über unseren weiteren Antrag auf Einrichtung einer Autobuslinie von Bielefeld über Brackwede, Kracks, Kreuzkrug, Stukenbrock nach Augustdorf steht die endgültige Entscheidung des Handelsministeriums noch aus; mit Rücksicht aber darauf, dass wir auf einem Teile dieser geplanten Linie, und zwar vom Sennefriedhof bis zum Kreuzkruge, bereits eine konzessionierte Sonntagslinie betreiben und eine Konkurrenz der Reichsbahn, die auch hier Einspruch erhoben hat, nicht in Frage kommt, hoffen wir, den Betrieb auf dieser Linie im Jahre 1931 aufnehmen zu können.

Die von uns am 2. April eingerichtete Rundfahrt vom Jahnplatz über Johannistal, Johannisberg und Dornberger Straße zum Jahnplatz wurde am 30. des gleichen Monats wieder eingestellt, da sie erhebliche Zuschüsse verlangte.

Mit der Eingemeindung der Gartenvorstadt Wellensiek überließ uns die Reichspost am 20.10.1930 die bislang von ihr etwa 1 Jahr lang betriebene Linie nach dem Wellensiek; diese 4,3 km lange Linie, 9 genannt, führt vom Jahnplatz über Hindenburgstraße und Wertherstrasse zum Wellensiek und wurde in halb- bis einstündiger Folge dem vorliegenden Bedürfnis entsprechend befahren.

Infolge der Eingemeindung der Gebiete Stieghorst und Sieker wurde der Abschnitt Sieker - Hillegossen der städtischen Autobuslinie 7 von Sieker nach Oerlinghausen in das Stadtnetz einbezogen. Gleichzeitig wurden den Fahrgästen der Autobuslinie 9 und der innerhalb des Stadtgebietes liegenden Linie 7 durch Schaffung der Übergangsmöglichkeıt vom Omnibus auf die Strassenbahn und umgekehrt wesentliche Vorteile in den Beförderungspreisen geboten.

Zur weiteren Erleichterung wurden im innerstädtischen Verkehr sowohl im Omnibus- wie im Srassenbahnbetriebe neue Vergünstigungshefte für 4 Teilstreckengrenzen eingeführt.

Mit Rücksicht auf die gesteigerten Anforderungen und auf die zu erwartenden Abgänge an den ältesten, aus dem Jahre 1925 stammenden Wagen, wurden zwei neue Wagen im Juli in Dienst gestellt, und zwar ein Büssing-Dreiachs-Omnibus mit einer Leistung von 100 PS und einem Fassungsvermögen von 85 Personen, und ein Dürkopp-Zweiachs-Omnibus mit einer Leistung von 90 PS und einem Fassungsvermögen von 58 Personen, zwei weitere Omnibusse, ein Dürkopp-Zweiachs-Omnibus und ein Rohöl-Mercedes-Omnibus, wurden im November (1930) in Auftrag gegeben.

Bei der gesteigerten Inanspruchnahme konnten im Jahre 1930 nur 8 Hauptreparaturen gegenüber 9 im Vorjahre vorgenommen werden; sie wurden in eigener Werkstatt ausgeführt, während die 4 erforderlichen Neulackierungen in Ermangelung von geeigneten Werkstatträumen vergeben werden mussten. Außer den laufenden gewöhnlichen Reparaturen, wie sie Tag für Tag vorkommen, wurden an insgesamt 6 Wagen umfangreichere Reparaturen durchgeführt.

Die Unfallziffer hielt sich in niedrigen Grenzen; es wurden insgesamt 10 Unfälle gemeldet. Davon verliefen 4 ohne und 11 mit leichteren, nicht nennenswerten Verletzungen; ein Unfall hatte tödlichen Ausgang. Zwei Fälle waren auf Selbstverschulden zurückzuführen, während in 11 Fällen unglücklicher Zufall vorherrschte; außerdem wurden zwei Fahrgäste und ein spielendes Kind von den Unfällen betroffen.


Quelle: Jahresbericht des Städtischen Betriebsamts Bielefeld. Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerk, Strassenbahn, Kraftwagenbetrieb und Verkehrsamt für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1930 (Stadtarchiv Bielefeld). Die Angaben in Klammern wurden zum besseren Verständnis ergänzt.

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