Geschäftsbericht der Strassenbahn Bielefeld für das Jahr 1920



Jahresbericht des Städt. Betriebsamts Bielefeld.
Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerk und Strassenbahn
für die Zeit vom 1. April 1920 bis 31. März 1921


Strassenbahn (20. Betriebsjahr)

Die im letzten Jahresbericht über die Aussichten für die weitere Entwicklung des Unternehmens ausgesprochenen Befürchtungen haben sich erfreulicherweise nicht ganz bestätigt. Anstatt des nach den damaligen verhältnissen zu erwartenden Zuschusses von 1.000.000 Mk. ist nur ein solcher von 500.369 Mk. erforderlich.

Die Betriebseinnahmen stiegen um 97% von 1.874.979 Mk. auf 3.693.192 Mk. Dagegen ging die Zahl der fahrgäste infolge der am 22. Mai (1920) vorgenommenen Fahrpreiserhöhung von 40, 50 und 60 Pfg. auf 50, 75 und 100 Pfg. um 19,4% von 8.428.309 auf 6.795.250 zurück. Besonders zeigte sich der Einfluss beim Verkauf der im gleichen Verhältnis wie die Fahrscheine heraufgesetzten Monatskarten. Der Absatz war so gering, dass sich die Ausgabe derselben nicht mehr lohnte. Sie wurde daher unter gleichzeitiger Vereinfachung der Bezugsbedingungen für Wochenkarten am 1. Februar 1921 eingestellt. Die auf die seit dem 8. Mai 1919 nach und nach vorgenommenen Fahrpreiserhöhungen von 15,20 und 25 Pfg. bis zu dem heutigen Stand zurückzuführende Abwanderung beträgt 30%.

Am 29. August (1920) (Brackweder Kirmes) wurde die bisher höchste Tageseinnahme mit 20.166 Mk. erzielt, die niedrigste Tageseinnahme am 2 April (Karfreitag) betrug 5.617 Mk. Die Platzausnutzung ergab sich im Jahresmittel zu 60%.

Die Ausgaben stiegen von 2.209.801 Mk. auf 4.012.756 Mk., was einmal auf die Erhöhung der Löhne und Gehälter, ferner auf die wegen der hohen Kosten bisher immer wieder hinausgeschobene, jetzt aber nicht mehr zu umgehende Ausführung größerer Unterhaltungsarbeiten an den Wagen und der Gleisanlage zurückzuführen ist, die im nächsten Jahre noch größere Summen erfordern werden.

Die Fahrleistung ging um 56.680 km zurück, sie betrug 1.482.527 Wagenkilometer. Eine Änderung des Fahrplans trat insofern ein, als der Abendverkehr vom 1. Dezember ab auch an Werktagen um zwei Stunden von 8 – 10 Uhr ausgedehnt wurde. Der Wagenpark wurde durch 8 von der Hannoverschen Waggonfabrik gelieferte, im Jahre 1914 für die geplante Ost-West-Linie bestellte Motorwagen vergrößert. Auf Grund eines seinerzeit abgeschlossenen Vertrages, wonach die Lieferung im September 1914 erfolgt sein sollte, mussten die Wagen zu den damals gültigen Preisen gebaut werden.

Abgesehen von der Stilllegung des Verkehrs am 1. Mai wurde der Betrieb störungsfrei durchgeführt.

Die Zahl der gemeldeten Unfälle betrug 29. Hiervon waren 2 schwer. Einer hatte leider den sofortigen Tod eines sechsjährigen Kindes zur Folge.

Weitere Angaben über wirtschaftliche und technische Einzelheiten sind in den nachfolgenden Aufstellungen enthalten.


Quelle: Jahresbericht des Städt. Betriebsamts Bielefeld. Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerk und Strassenbahn für die Zeit vom 1. April 1920 bis 31. März 1921 (Stadtarchiv Bielefeld). Die Angaben in Klammern wurden zum besseren Verständnis ergänzt.

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