Geschäftsbericht der Strassenbahn Bielefeld für das Jahr 1915



Jahresbericht des Städt. Betriebsamts Bielefeld
(Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerk und Strassenbahn)
für die Zeit vom 1. April 1915 bis 31. März 1916


Allgemeines

Das abgelaufene Berichtsjahr stand vollständig unter dem Einfluss des Krieges. Die Schwierigkeiten infolge der immer weitergehenden Einziehung der alten erfahrenen Angestellten und Arbeiter haben sich zunächst noch vergrößert; erst gegen Ende des Berichtsjahres, als lauter felddienstunfähige Leute eingestellt und genügend ausgebildet waren und auch 29 Kriegsverletzte aus dem Felde zurückgekehrt und ihren Dienst wieder aufgenommen hatten, traten wieder einigermaßen geregelte Betriebsverhältnisse ein. Trotz der vielen Schwierigkeiten, die durch die Einberufung von 315 von 507 vor dem Kriege vorhandenen Angestellten und Arbeiter und durch den Mangel an manchen früher für unentbehrlich erachteten Betriebsmitteln hervorgerufen wurden, sind doch nennenswerte Störungen nicht vorgekommen. Nur eine 1 ½ stündige Störung im Betriebe des Elektrizitätswerkes infolge der Unerfahrenheit der ungenügend ausgebildeten Überwachungsmannschaft ist hier zu verzeichnen.

Nachdem in den 8 Kriegsmonaten des vorigen Berichtsjahres Handel und Gewerbe sich auf Kriegsverhältnisse eingestellt hatten, ist die Entwicklung der 4 Betriebe im letzten Berichtsjahr gleichmässig fortgeschritten, und das wirtschaftliche Ergebnis ist als ein durchaus befriedigendes zu bezeichnen, wie aus den nachstehenden Einzelberichten hervorgeht.

Um den Angestellten und Arbeitern und ihren Angehörigen die Lasten des Krieges erträglich zu machen, wurden ihnen auch in diesem Jahr Unterstützungen zu teil.

Ausser den staatlichen und städtischen Unterstützungen erhielten die Angehörigen der im Felde stehenden Angestellten und Arbeiter vom Betriebsamt folgende Zuwendungen: Die Angehörigen der verheirateten nicht beamteten Angestellten die Hälfte des Gehaltes. Die Angehörigen der Arbeiter für die Frau monatlich 8 M, für jeden weiteren Empfangsberechtigten der Reichsunterstützung je 2 M monatlich.

Hierfür wurden im Betriebsjahr aufgewendet:

für die Angehörigen des Angestellten ½ des Gehalts 20.735,30 M
für die Angehörigen der Arbeiter der Strassenbahn 15.942,02 M
für die Angehörigen der Arbeiter des Elektrizitätswerkes 3.193,73 M
für die Angehörigen der Arbeiter des Gaswerkes 10.656,80 M
für die Angehörigen der Arbeiter des Wasserwerkes 2.930,40 M
insgesamt 53.447,25 M


Die schon im Vorjahr an kinderreiche Familien der in den Betrieben beschäftigten Arbeiter gewährten Zulagen wurden entsprechend der anwachsenden Teuerung erhöht und betrugen für die Sommermonate für jedes unter 16 Jahre alte Kind 75 Pf. für die Woche, vom 1. Oktober (1915) ab 1,50 M. Hierfür wurden im ganzen Jahr aufgewendet für alle 4 Betriebe 27.748,37 M.

Eine wesentliche Unterstützung erfuhren die Arbeiter der 4 Betriebe auch in diesem Jahrewieder durch die Beschaffung billiger und guter Kartoffeln. In Gegenlieferung von Ammoniaksalz an die Landwirtschaft der Umgebung wurden rund 4.500 Ztr. beschafft, die während des ganzen Jahres zum Grosseinkaufspreis von 3,00 M an die Arbeiter abgegeben wurden und annähernd deren Bedarf deckten.

Zur Veranstaltung einer Weihnachtsfeier für die 207 Frauen und 405 Kinder der im Felde stehenden Arbeiter und zur Gewährung einer Beihilfe zur Einkleidung von 19 Konfirmanden, wurde wie im Vorjahr unter den zurückbleibenden Arbeitern und Angestellten Sammlungen veranstaltet, die das erfreuliche Ergebnis von 2.400 M lieferten.

Auch im vergangenen Jahr sind mehrere brave und tüchtige Angestellte und Arbeiter im Kampfe für ihr Vaterland gefallen. Wir werden ihnen ein ehrendes Andenken bewahren. Im ersten Berichtsjahr nach Beendigung des Krieges werden wir den gefallenen Helden ein besonderes Gedenkblatt widmen.


Strassenbahn (15. Betriebsjahr)

Die gleich nach Beginn des Krieges vorgenommene Betriebseinschränkung von 5 bzw. 7 ½ auf 10 Minuten-Verkehr auf allen Linien wurde auch im Betriebsjahr beibehalten. Dieser Betrieb genügte den z. Zt. vorliegenden Verkehrsverhältnissen und ermöglichte es, von der Einstellung von Frauen in den Fahrdienst abzusehen, die bei den hier vorliegenden, durch den außergewöhnlich starken Arbeiterverkehr bedingten schwierigen Betriebsverhältnissen auch nicht gut durchfuhrbar sein würde.

Die Fahrleistung ging um 166.104 Motorwagenkilometer zurück, dagegen stieg infolge der Betriebseinschränkung die Zahl der Anhängewagenkilometer um 99.496 km = 30%.

Während die ersten 4 Monate des Berichtsjahres, verglichen mit der gleichen Zeit, den letzten Friedensmonaten des Vorjahres, eine Abnahme des Verkehrs von 22% aufweisen, brachten die Monate August bis März eine Verkehrssteigerung von 21,5%. Die Gesamtzunahme der Zahl der Fahrgäste betrug 3,2%.

Die Betriebseinnahmen sind hiergegen nur um 1,4 % gestiegen. Dies erklärt sich daraus, dass an bezahlenden Fahrgästen weniger befördert wurden und nur der Arbeiterverkehr, der infolge des niedrigen Fahrpreises für Arbeiter auf die Einnahmen von geringem Einfluss ist, zugenommen hat. Hieraus ergibt sich als weitere Folge der Rückgang der Einnahme für den Fahrgast überhaupt von 9,86 auf 9,7 Pf.

Die durchschnittliche Einnahme für ein Wagenkilometer stieg von 35,2 auf 37,4 Pf.

Die bereits erwähnte Mehrleistung an Anhängewagenkilometer stellte an die Triebwagen erhebliche Anforderungen. Infolgedessen stiegen die Unterhaltungskosten für diese um 8.617 M. Die Gesamtausgaben sind dagegen um 7.300 M zurückgegangen. Hier ist jedoch zu berücksichtigen, dass sich die ausgeführten Unterhaltungsarbeiten infolge Mangels an Leuten und geeigneten Materialien auf die notwendigsten Instandhaltungen beschränken mussten, sodass damit zu rechnen ist, dass die Unterhaltungskosten, besonders der Wagen und der Gleisanlagen, nach dem Kriege ganz erheblich steigen werden.

Die Zahl der Unfälle betrug 51. Hiervon verliefen 29 mit geringen, 18 mit leichten und 4 mit schweren Verletzungen. Von diesen hatten leider zwei Fälle den Tod des Verletzten zur Folge. Sämtliche Unfälle, außer einem, der durch einen unglücklichen Zufall entstand, sind auf Selbstverschulden zurückzuführen. Von den 22 mit leichten und schweren Verletzungen verunglückten Personen waren 8 Fahrgäste und 14 Vorübergehende.

Die weiteren Betriebs- und wirtschaftlichen Ergebnisse sind in den nachfolgenden Aufstellungen zu entnehmen.


Quelle: Jahresbericht des Städt. Betriebsamts Bielefeld (Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerk und Strassenbahn) für die Zeit vom 1. April 1915 bis 31. März 1916 (Stadtarchiv Bielefeld). Die Angaben in Klammern wurden zum besseren Verständnis ergänzt.

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