Wolfsschlucht am
Kaiser-Wilhelm-Denkmal

32457 Porta Westfalica
Betriebseröffnung
1892

Bahnbetrieb

Feldbahn (600 mm)
1892-1896


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Zur Erinnerung an den preußischen Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) wurden im Deutschen Reich bis 1918 etwa 1000 Denkmäler errichtet - eines davon an der Porta Westfalica, südlich von Minden gelegen.

Den Bau hatte der Provinzial-Landtag von Westfalen am 15. April 1889 beschlossen und den Berliner Architekten Bruno Schmitz mit der Planung beauftragt. Die Kaiserfigur entwarf der Bildhauer Kaspar von Zumbusch aus Wien. Über die Baukosten gab es lange Auseinandersetzungen, so dass mit dem Bau erst im September 1892 begonnen wurde. Am 18. Oktober 1896 wurde das Denkmal im Beisein von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria mit einer Feier eingeweiht.

Für den erwarteten Ausflugsverkehr wurde zugleich eine Dampfstraßenbahn nach Minden geplant.

Die Bauarbeiten wurden zunächst von Regierungsbauführer Schilling, ab August 1894 von Regierungsbaumeister Ippach geleitet. Die Arbeiten wurden an einen Generalunternehmer vergeben: Zunächst war das die Firma Becker & Gross aus Münster. Im März 1894 wurde die Firma aufgelöst und arbeitete unter dem Namen Gross bis zum 30. April 1895 weiter. Ab dem 1. Mai 1895 war der Bauunternehmer Schumacher aus Leer (Ostfriesland) mit der Fertigstellung beauftragt worden.

Das Denkmal wurde aus Porta-Sandstein errichtet, der in unmittelbarer Nähe des Denkmals aus dem Berg gebrochen wurde. Dafür wurden alte Steinbrüche kurzzeitig wieder in Betrieb genommen und über eine Transportbahn mit der Baustelle verbunden. Über die eingesetzten Fahrzeuge ist bisher nichts bekannt.

Ergänzung: Unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals wurden Porta-Sandsteine in Stollen gebrochen und über einen Bremsberg ins Tal befördert. Dort wurden sie auf einem Lagerplatz am Weserufer bearbeitet und verschifft. Dieser Betrieb endete am 31. Dezember 1895 aus "ästhetischen Gründen", da ein Steinbruch unterhalb des Denkmals als unpassend angesehen wurde. Diese Brüche wurden von der Firma M. Michelsohn & Comp (Hausberge) betrieben. Anfang 1944 wurden diese Stollen für die unterirdische Produktion von Kugellagern von Jagdflugzeugen ausgebaut. Diese Anlagen wurden am 23. April 1946 auf Befehl des Alliierten Kontrollrats gesprengt. Durch diese Explosion wurde die Ringterrasse des Denkmals teilweise zerstört.


Transportbahn: Die Steine für den bau des Kaiser-Wilhelm-Denkmals wurden in der "Wolfsschlucht" gewonnen. Dort wurden ältere Steinbrüche wieder in betrieb genommen und mit einer Transportbahn erschlossen. Die Transportbahn hatte eine Länge von 550 Metern und führt von den Abbaustellen bis zu einem Steinlagerplatz an der Baustelle des Deknmals. Die Steinbrüche und die Trasse der Transportbahn sind heute noch im Berg zu erkennen. (Zeichnung: Christoph Beyer nach einem Plan vom 18.10.1892, Original: LWL-Archiv, Bestand 207, Nr. 320)

Literatur und Quellen


Neben eigenen Aufzeichnungen wurden folgende Quellen ausgewertet:
  • Rainer Ebel, Angela Ehling
    Der Porta-Sandstein. Geologie, Vorkommen, historischer Abbau und Verwendung
    in: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL, Hg.), Geologie und Paläontologie in Westfalen (Heft 82), Münster 2012, S. 5-146

  • Fred Kaspar
    Das Kaiserdenkmal an der Porta-Westfalica
    in: LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (Hg.), Denkmalpflege in Westfalen-Lippe (Ausgabe 01.07) Münster 2007, Seite 19-21.


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