Trümmerbahn Bielefeld
Zur Trümmerräumung in Bielefeld liegen uns bisher nur zwei Dokumente vor - hier werden wir später sicher noch mehr berichten können.


Dokument 1: Zwischen den Städten, die Trümmer beseitigen mußten, gab es einen regen Austausch. So findet sich in einer Aktennotiz der Stadtverwaltung Minden vom 17. April 1948 folgende Angabe zur ^Trümmerräumung in Bielefeld:

„Zur Klärung der Frage über einen etwaigen Einsatz der Mindener Bevölkerung zur Enttrümmerung der Schadensgebiete habe ich nach vorgehender Anmeldung mit der sachbearbeitenden Stelle in Bielefeld Fühlung genommen. Die Besprechung hat am 16.4.des Jahres in Bielefeld stattgefunden. Es nahmen von der Stadtverwaltung Minden außer meiner Person Tiefbauinspektor Müller teil. Verhandelt wurde mit Herrn Baurat Streich der Tiefbauverwaltung Bielefeld. In Bielefeld besteht folgende Organisation:

1. Einteilung: Das gesamte Stadtgebiet ist in 5 Räumbezirke eingeteilt. Von diesen einzelnen Bezirken laufen rund 9 km Gleisanlagen zu einer ausserhalb des Stadtgebietes gelegenen Ausweichstelle mit Rangierbahnhof. Von dort aus ist Gleisanlage nach der etwa 3-4 km vom Zentrum entfernten Ablagegrube einer alten Ziegelei vorhanden. Die Abfuhr geschieht mit rd. 220 Loren, 4 Dampfloks und 4 Dieselloks. Das Bedienungspersonal und das Gerät wird durch die Firma Pape, Bielefeld gestellt. Zwischengeschaltet sind mehrere Trümmer - Verwertungsstellen, die in verschiedenen Stadtbezirken liegen, Unternehmern gehören, die Zementsteine oder Schlacken herstellen. Die Trümmerverwertungssstellen unterstehen dem Hochbauamt.

2. Räumobjekte: Sämtliche Grundstücke werden aufgeräumt bezw. Enttrümmert. Die Wände, soweit sie nicht baufällig sind, bleiben bestehen, die Keller werden vollkommen freigemacht, damit sich nicht Ratten und Ungeziefer einnisten können. Der Privatbesitzer erhält eine Mitteilung (Formular 1). Das freiwerdende Altmaterial wird von der Stadt beschlagnahmt auf Grund

a) der Anordnung der Mil.Reg. vom 18.4.1946
b) der §§ 11 u. 25 des Reichsleistungsgesetzes.

Die gefährdeten Wände werden durch besondere Abbruchsunternehmer umgelegt, der Einsatz der Arbeitskräfte und der Aufräumtruppe richtet sich nach der Abfuhrmöglichkeit (…) ... " (Quelle: Aktennotiz der Stadt Minden, Kommunalarchiv Minden)


Dokument 2: Friedrich Schackmann berichtet über seine Erinnerungen an die Trümmerbahn in Bielefeld:

Das folgende Bild zeigt eine "Dampflok der Firma August Pape mit meiner Schwester und mir. Das Bild wurde im April 1947 aufgenommen. Im Hintergrund ist das Finanzamt an der Ravensberger Str. zu sehen (...). Wir wohnten damals Eduard Windhorststr., Ecke Spindelstr.

Zwischen der Spindelstr. und der Ravensberger Str. befand sich ein großer Platz. Hier ist heute ein Fußballplatz. Auf diesem Platz stand eine große Maschine, die die Trümmer, die von der Trümmerbahn mitteld Loren aus der Stadt angeliefert wurden, zu rotem Schotter, bzw. zu roter Asche zerkleinert hat. Der Schotter lief über Schüttelroste und wurde nach Größe in die darunter stehenden Loren sortiert und in Richrtung Osten zu einer Ziegelei gebracht. Ein Teil wurde aber auch auf dem Platz als Halde gelagert. Bei der Trümmerbeseitigung haben die Kriegsheimkehrer geholfen und ich meine, das wäre für eine gewisse Zeit sogar Pflicht gewesen.

ich wollte damals Förster werden und nicht Lokführer, habe aber die Angebote der Lokführer mitfahren zu dürfen, sehr gern angenommen. Einzige Auflage der zwei Lokführer: ich musste mir jedesmal das gesicht schwärzen lassen, mit der Begründung, wenn Herr Pape vorbei kommen sollte, durfte es nicht auffallen, dass ein Betriebsfremder auf der Lok mitfuhr.

Ein Trümmerplatz direkt vor der Haustür war für uns aus Kindersicht ein Glücksfall. Wir konnten in den Trümmern Buden bauen, die Loren die Halde hochschieben, um dann auf die Lore zu springen und dann wieder runter zu sausen. Das Letztere war nicht ganz ungefährlich."


Im Fotoalbum von Friedrich Schackmann fand sich diese Aufnahme von Lok 22 der Firma Pape. Sie entstand im April 1947 auf dem Trümmerplatz nahe der Ravensberger Straße (Foto: Archiv Friedrich Schackmann).


Quellen und Literatur

Neben eigenen Aufzeichnungen wurden folgende Quellen ausgewertet:
  • Kommunalarchiv Minden, Aktenbestand Trümmerräumung


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