Dörentruper Sand- und Thonwerke: Festschrift 1926


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VORGESCHICHTE

Das Dörentruper Tertiärvorkommen wurde durch einen Zufall zu Anfang des vorigen Jahrhunderts entdeckt. Landwirte stießen beim Niederbringen eines Brunnens auf den weißen Sand, ohne ihn zunächst zu verwerten. Das benachbarte Grubengelände gehörte zum größten Teil dem Fürstlichen Domanium, das durch die Oberförsterei Sternberg später die sogenannte „Fürstliche Grube" ausbeuten ließ. Die Anfänge dieses Betriebes reichen bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. In primitivster Weise schafften Arbeiter den weißen Sand mit Handkarren aus der Grube, und der „Sandförster" verkaufte ihn himpen- oder fuhrenweise als Stubenstreusand oder Putz- und Mauersand. Selbstverständlich wurden, nur die günstigsten Ablagerungen bevorzugt - von einem planmäßigen [Seite 8:] Abbau war zunächst keine Rede.


Erst in den neunziger Jahren machte man sich die Fortschritte der Technik zunutze, indem man die Handkarren durch Feldbahnbetrieb ersetzte. Einige Glaswerke vergrößerten den Abnehmerkreis. Fuhrunternehmer schafften den Sand nach der etwa 17 km entfernten Bahnstation Lage oder nach der Weser , von wo der Sand auf dem Schienen- oder Wasserwege seine Reise zu den Glashütten antrat. Wo Steigungen zu überwinden waren, wie am nahegelegenen Rieperberg, leisteten Gastwirte mit ihren Pferden Vorspanndienste. Von den damaligen bescheidenen Verhältnissen gibt die Verkaufsbude eine Vorstellung; sie blieb der Nachwelt als Zeuge vergangener Zeiten erhalten.


Der Fürstlichen Grube erstand in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts in unmittelbarer Nähe eine Konkurrenz durch die Sandgruben des Gutsbesitzers Meyer zu Dörentrup und des Kolonen Plöger. Beide Gruben, [Seite 9:] besonders aber die letztere, hatten infolge ihrer geringen räumlichen Verhältnisse nur beschränkte Möglichkeit, ihre Abraummassen unterzubringen und die Sandbänke vollständig aufzuschließen. Sie gingen im Jahre 1894 in den Besitz der Lippischen Silbersand- und Thongruben Siekmann & Co., Dörentrup i. Lippe über. Beim Abbohren des Geländes stieß man im Frühjahr 1896 auf Braunkohle. Die Fürstlich Lippische Regierung verlieh der Firma mit Urkunde vom 10. November 1896 das Eigentum des „Bergwerks Dörentrup" für ein 362 032 qm großes Feld.

Erhebliche Mittel wurden nun aufgewandt, die „Siekmannsche Grube" in einen besseren betriebsfähigen Zustand zu versetzen. Günstigere Aussichten für einen größeren Absatz eröffneten sich nach Fertigstellung der Bahnlinie Lemgo - Barntrup im November 1896; damit erhielt Dörentrup den lang ersehnten Bahnanschluß. Den höheren Anforderungen der Glaskundschaft an den Rohstoff suchte man [Seite 10:] 1896/97 durch den Bau einer kleinen Sandwäsche zu entsprechen.


Zu Anfang des Jahres 1900 hatte die Firma Siekmann & Co. den Verkauf für die Fürstliche Grube mit übernommen. Die Umsatzziffer erhöhte sich 1900 auf etwa 1500 Doppelwagen Kristallsand und 400 Doppelwagen Mauersand. Die Firma verfügte über 2000 m Grubengleis und 28 Muldenkipper. Für den über den Sandablagerungen in großen Mengen anstehenden Lehm suchte man Verwertung durch den Bau einer Ziegelei. Ein sogenannter Altdeutscher Ofen für eine Jahresleistung von etwa 500 000 Steinen diente zuerst Versuchsbränden. Er wurde nachher durch einen Hoffmannschen Ringofen, System Dannenberg, ersetzt, der Ende April 1900 in Betrieb kam und im ersten Jahre eine Erzeugung von 1 700 000 Mauerziegeln erreichte. Eine Einzylindermaschine von 85 PS lieferte die erforderliche Kraft zum Antrieb der Ziegeleimaschinen. Mitte 1900 kam eine [Seite 11:] kleine künstliche Trockenanlage, System Keller-Laggenbeck, mit 12 Trockengängen in Betrieb; sie wurde durch Abdampf der Maschine versorgt.


Schon im Jahre 1896 setzten ernste Bestrebungen der Firma Siekmann & Co. mit dem Ziele ein, einen Zusammenschluß ihrer Gruben und Werksanlagen mit dem Grubengelände der Fürstlich Lippischen Forstverwaltung herbeizuführen und ein Werk auf lebensfähiger Grundlage zu schaffen. Inzwischen hatte auch die Fürstliche Rentkammer, Forstabteilung, ein Braunkohlenlager erbohrt und das Bergwerkseigentum für das „Bergwerk Graf Ernst" mit einem 124 620 qm großen Feld am 22. November 1900 verliehen erhalten. Es bedurfte langwieriger Verhandlungen, bis man sich im Jahre 1901 endgültig einigte. Die beiden Parteien kamen in den Verhandlungen am 14. März 1901 und 31. August 1901 über die in die Konsolidation einzubringenden Grundstücke, Gebäude, Fabrikanlagen, Maschinen, [Seite 12:] Fördereinrichtungen, Barleistungen usw. sowie über den abzuschließenden Gesellschaftsvertrag überein.


Durch den Vertrag vom 31. August 1901, der zwischen dem Fürstlichen Domanium, vertreten durch die Fürstliche Rentkammer, Forstabteilung, Detmold, und der Firma Siekmann & Co. geschlossen wurde, übertrugen diese an die Konsolidation an Baugrund, Grubenfeld, abgebauten Flächen und Böschungen 15ha 38a 91qm aus dem Grundbesitz des Fürstlichen Domaniums und 7ha 95a 4qm aus dem Grundbesitz der übrigen Beteiligten, = zusammen 23ha 33a 95qm, und zwar mit allen Rechten und Gerechtigkeiten. Das Domanium behielt sich „Höchste Genehmigung und Zustimmung des Landtages" vor.

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