Westfälische Zeitung vom 5. Juli 1957



Kreisbahnhof für die Bundesbahn?
Ostbahnhof soll erweitert werden


Das schnelle Wachstum der Einwohnerzahl und des wirtschaftlichen Volumens Bielefeld auf der einen und der im gleichen Tempo akuter werdende Mangel an Gelände innerhalb der Stadt auf der anderen Seite stellt auch die Bundesbahn, vor allem auf dem Gebiet des Güterverkehrs, vor eine Reihe entscheidender Fragen, die zur Lösung drängen. Ein Umbau der Güterabfertigung am Hauptbahnhof, Erweiterung des Ostbahnhofs, Ankauf des Kreisbahnhofgeländes - das sind Probleme und Projekte, die für die nächsten Jahre anstehen.

Bereits in den nächsten Tagen finden Verhandlungen zwischen der Bundesbahn und den Bielefelder Kreisbahnen über den Verkauf des gesamten Kreisbahnhofgeländes an der Eckendorfer Str. einschließlich des Bahnhofsgebäudes statt. Da beide Seiten mit sehr ausgewogenen wirtschaftlichen Überlegungen aufeinander zukommen, kann mit einem Ergebnis gerechnet werden, das beider Interessen gerecht wird.
Der Kreisbahn dürfte es nach der Stillegung des Personen- und Güterverkehrs auf ihren beiden Strecken (Bielefeld - Werther und Bielefeld - Enger) darauf ankommen, möglichst schnell den endgültigen Schlußstrich unter ihre Bilanz zu setzen, die durch die verkehrspolitische Situation im allgemeinen und verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen im Besonderen nicht mehr tragbaren Belastungen ausgesetzt worden war. Der Bundesbahn fehlt es erstens an Ausdehnungsmöglichkeiten und zweitens ist sie daran interessiert, die rund zwanzig Gleisanschlußkunden, die zur Zeit noch von der Kreisbahn bedient werden, zu behalten und sie nicht durch einen „zweckentfremdenden" Verkauf an einen Dritten von der Schiene zu verdrängen.
Dieses Problem ist aber nicht das einzige, das die Bundesbahn in dem Gebiet „rund um den Ostbahnhof", das immer mehr zu einem Schwerpunkt des Güterumschlags wird, lösen will und muß. So besteht die Absicht, den Ostbahnhof durch Hinzunahme des alten Eisenbahnersportplatzes und der daran anschließenden Kleingartenkolonie zu erweitern. Ein Projekt, dessen Inangriffnahme nur von der Bereitstellung der Mittel abhängt, wobei allerdings das „nur noch" als aufschiebender Faktor nicht unterschätzt werden darf. Immerhin ist für den Sportplatz bereits ein Ersatzgelände in Brackwede erworben worden, und auch für die Umsiedlung eines Teils der Kleingärten wurden bereits Grundstücke angekauft. In Verbindung mit der Erweiterung des Ostbahnhofs sollen neue Lagermöglichkeiten geschaffen werden und die Verladung von Kohle, Koks usw., die zur Zeit noch „per Schaufel" erfolgt, automatisiert werden.
Schließlich ist in diesem Zusammenhang der Plan eines Gemüsegroßmarktes auf dem Gelände der alten Viehhalle zu nennen, den die Bundesbahn mit großem Interesse verfolgt, da er ihre eigenen Vorhaben in diesem Gebiet organisch und sinnvoll ergänzen würde.



Wiedergabe des Artikels aus der "Westfälischen Zeitung"
mit freundlicher Genehmigung der Zeitung NEUE WESTFÄLISCHE


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