Westfälische Zeitung vom 25. Juni 1955



Fünf Kreisbahnwagen lassen grüßen

in Mannheim und Herford „auf Vordermann" gebracht - Auf ihre alten Tage schneller geworden

Als am 13. Februar 1954 die Bielefelder Kreisbahn ihren Personenverkehr nach Enger und Werther einstellte, da standen die 14 vierachsigen Personenwagen mutterseelenallein auf den Abstellgleisen an der Eckendorfer Straße und waren arbeitslos geworden. Anfangs wollte sie keiner haben, denn alte Kleinbahnwagen sind genauso wenig gefragt wie ausgediente Straßenbahnen. Die Kleinbahndirektion war aber rührig und horchte aufmerksam bei den anderen Bahnverwaltungen herum, ob nicht doch noch irgendwo ein Bedarf an Fahrzeugen der gleichen Spurweite von 1000 Millimeter bestehen würde. Schließlich war es nach langwierigen Bemühungen gelungen, neue Interessenten zu finden.

Zunächst wanderten sechs Personenwagen zur benachbarten Herforder Kleinbahn GmbH aus, wo sie werktags im Arbeiterberufsverkehr - von einer modernen Diesellokomotive gezogen - auf dem Streckenabschnitt Spenge - Enger - Herford morgens und abends eingesetzt werden.
Fünf weitere Kleinbahnwagen traten jedoch eine größere Reise nach Mannheim an, da sie von der Oberrheinischen Eisenbahn-Gesellschaft AG angekauft worden waren. Die neue Bahnverwaltung unterzog die Ankömmlinge zunächst in ihren Werkstätten einer gründlichen Kur. Die Fahrzeuge wurden nicht nur äußerlich mit einem leuchtend gelben Anstrich und einer automatischen Kupplung versehen, vielmehr wurden auch im Wageninnern die harten Holzbänke gegen moderne schaumgummigepolsterte Sitze ausgetauscht und die aufgenagelten Fußbodenplatten mußten einem geräuschdämpfenden Linoleumbelag weichen.
An die Stelle der Glühlampen traten neuzeitliche Langfeldleuchten, so daß die Wagen innen und außen einen strahlenden Eindruck machen.

Da die O.E.G., die im Personeverkehr im Städtedreieck Mannheim - Heidelberg - Weinheim (Bergstraße) - Mannheim größtenteils mit elektrischen Oberleitungszügen betreibt, in ihren Fahrplänen eine wesentlich größere Reisegeschwindigkeit vorgesehen hat, als dies früher bei der Bielefelder Kreisbahn üblich war, so sind unsere Veteranen „auf ihre alten Tage" dann doch ziemlich ans Laufen gekommen, was sie sich in ihrer Jugend sicherlich nie träumen ließen.

-ock

(Autor dieses Artikels ist Werner Stock)


Dazu ein Bild von zwei OEG-Wagen mit der Bildunterschrift: „Zwei ausgewanderte ehemalige Bielefelder Kreisbahnwagen im neuen Gewand".


Wiedergabe des Artikels aus der "Westfälischen Zeitung"
mit freundlicher Genehmigung der Zeitung NEUE WESTFÄLISCHE


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