Westfalen-Blatt vom 5. Juli 1952



Die Kreisbahn bei Jöllenbeck entgleist

Lokomotive kippte um - Keine Verletzten - Schlamm bedeckte die Schienen

Am Freitag, kurz nach 6 Uhr morgens, entgleiste in der Nähe von Jöllenbeck, unmittelbar neben der neuen Siedlung am Kämpchen, der Frühzug der Bielefelder Kreisbahn. Die Lokomotive kippte um. Auch der Packwagen sprang aus den Schienen. Etwa 50 Fahrgäste wurden arg durcheinander gerüttelt, kamen aber ohne Verletzungen davon. Der Verkehr blieb den ganzen Freitag über gesperrt.

Durch den starken nächtlichen Gewitterregen hatte sich an einem neu angelegten Bahnübergang eine 15 Zentimeter dicke Schlammschicht gebildet, die eine der beiden Schienen völlig verdeckte. Da der Gleisweg an dieser Stelle stark gekrümmt ist, konnte der Lokomotivführer die Verschmutzung erst im letzten Augenblick sehen. Obwohl er sofort bremste und der Zug nicht einmal 30 Stundenkilometer fuhr, war das Unheil nicht mehr abzuwenden.

Puffer abgeschweißt

Die Lokomotive rollte noch etwa 20 Meter und legte sich dann zur Seite. Da die Personenwagen stark nachdrückten, wurde die Kopfwand des Packwagens von der Anhängevorrichtung der Lokomotive eingedrückt. Die Puffer mußten abgeschweißt werden, damit man den Packwagen von der Lok lösen konnte.
Die Reisenden, fast durchweg Berufstätige, begaben sich zur nahe gelegenen Omnibushaltestelle und wurden von dort aus weiter befördert.
Der nächste Zug wurde schon in Enger gestoppt. Von dort aus setzte sich sofort der Hilfszug in Bewegung, um mit den Arbeiten zur Wiederherstellung des Verkehrs zu beginnen.

Verkehr mit Omnibus

Die Inhaber von Kreisbahn - Fahrkarten mußten den ganzen Tag über mit dem Omnibus befördert werden, da diesseits der Unfallstelle keine Lokomotive zur Verfügung stand und deshalb auch eine Weiterbeförderung von Jöllenbeck nach Bielefeld mit einem anderen Zug nicht möglich war. Selbst die neuen Schienen, die die verbogenen Gleise ersetzen sollten, mußten aus Bielefeld mit einem Schienenrollwagen herangebracht werden, der nur „Fußantrieb" hatte.
Die Lokomotive ist zwar überholungsbedürftig, hat aber keinen größeren Schaden genommen, da sie verhältnismäßig weich fiel. Die Folgen einer Entgleisung wären schlimmer gewesen, wenn der Zug stärker besetzt gewesen wäre. Die meisten Berufstätigen steigen aber erst in Jöllenbeck zu.



Wiedergabe des Artikels mit freundlicher Genehmigung der Zeitung WESTFALEN-BLATT


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