Unbekannte Zeitung vom 16. Mai 1921



Die Kleinbahn Bielefeld - Eckendorf

Ein Bild ihrer Wirtschaftlichkeit

Ueber die wirtschaftlichen Verhältnisse der Kleinbahn Bielefeld-Heepen-Eckendorf ist unterm 4. Mai und auf Grund einer Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten zu Minden von dem Kleinbahndirektor Paul ein Bericht erstattet worden, aus dem folgendes entnommen sei:

„Die Baukosten für die am 1, Mai 1909 in Betrieb genommene Strecke betrugen 552 643,41 Mark, die vom Landkreise auf dem Anleihewege beschafft sind, und die etwa 25 000 Mark jährlich für Verzinsung und Tilgung erfordern. Die gesamten Jahreseinnahmen dieser Strecke betrugen 175 590,98 Mark im Betriebsjahr 1920, davon kommen aus dem Personenverkehr 104 494,25 Mk., aus dem Güterverkehr 66 779,05 Mk., Personen wurden 1920 befördert: 14 672, davon die Hälfte Arbeiter und Schüler.
Die Betriebsausgaben betragen für die obige Strecke im Betriebsjahre 1920: 250 090,38 Mark. Diese Summe ist berechnet auf Grund derjenigen Verhältniszahlen des für die Teilstrecke Bielefeld-Eckendorf aufgestellten Verteilungsplanes, die sich aus den Betriebsausgaben der Jahre 1911-1914 ergaben; ob dieser Schlüssel den heutigen Verhältnissen entspricht, erscheint durchaus zweifelhaft.
Der Fehlbetrag der Strecke für das Jahr 1920 beläuft sich auf 11 490,35 Mk. Nach Leistung der Rücklagen, Zinsen und Tilgung der Anleihen. Der Fehlbetrag der Strecken nach Enger und Werther beträgt 124 452,81 Mark. Soll der Betriebsverlust von 4,26 Mark für jedes geleistete Zugkilometer rechnerisch ausgeglichen werden, dann müßten die Fahrpreise um etwa 50 Prozent weiter erhöht werden, und zwar in der 2. Klasse von 30 auf 45 Pfg., in der 3. Klasse von 20 auf 30 Pfg., für Arbeiter und Schüler von 8 ¼ Pfg. auf 15 Pfg. für 1 Kilometer."

Zu diesen Mitteilungen wird uns aus Heepen geschrieben:
Die obigen Berechnungen ergeben gewiß, kaufmännisch betrachtet, kein erfreuliches Bild, aber der Zuschußbetrieb ist ja auch heute nicht auf die Bielefelder Kreisbahnen beschränkt, sondern derzeit das Schicksal der Staatsbahnen auch, und doch würde kein verantwortungsbewußter Mensch daran denken, deshalb die Betriebe stillzulegen in der richtigen Erkenntnis, daß durch solche Maßnahmen die wirtschaftliche Notlage noch viel größer würde.
Was nun insbesondere die Wiederinbetriebnahme, wenigstens eine teilweise, der Kleinbahnstrecke Bielefeld-Eckendorf betrifft, so wird für den Kreisausschuß und Kreistag die Erkenntnis hoffentlich maßgebend sein, daß man den 1920 die Bahn benutzenden 145 672 Menschen, darunter die Hälfte Arbeiter und Kinder, nicht die einzige Fahrgelegenheit nimmt, die dieselben von ihren Wegen zur Arbeitsstätte usw. vor den Unbilden der Witterung, besonders im Winter schützt. Die im Bericht angeführte gute Landstraße vermittelt diesen Schutz bekanntlich nicht.
Wenn man ferner bedenkt, daß die Kleinbahn, ebenso wie die Kreisstraßen, das Wohlfahrtsamt und manche andere Kreiseinrichtungen, Anstalten zum Nutzen der Allgemeinheit sind, so wird man die Inbetriebnahme nicht an der finanziellen Frage scheitern lassen dürfen, die muß zu lösen sein - für die Dornberger Zeche war ja auch Geld da -, sei es durch den Erlaß der Reichs-Verkehrssteuer, oder Beteiligung der Stadt Bielefeld in irgend einer gangbaren Form, oder eben durch Kreissteuern oder Tariferhöhung.



Es ist bisher nicht bekannt, in welcher Zeitung der Artikel erschienen ist.


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