Westfälische Zeitung vom 23. Dezember 1903



Projekt der Kleinbahn Bielefeld-Heepen-Eckendorf-Salzuflen
zum Anschluß an die Kleinbahn Sazuflen-Vlotho


Es sind in letzter Zeit in der Westfälischen Zeitung durch Stimmen aus dem Leserkreise die verschiedensten Interessen, welche sich mit dem Bau der seit längerer Zeit projektierten Kleinbahn Bielefeld - Heepen - Eckendorf und andererseits mit einem neuen Vorschlage der Linienführung der Kleinbahn über Schildesche - Brake - Heepen zu beschäftigen, erörtert worden, letzteres Projekt unter der Voraussetzung, daß auch von Brake bis Bielefeld die Staatsbahn zur Verfügung steht. Auf Grund einer Information an maßgebender Stelle können wir hierzu mitteilen, daß die Propaganda für dies letztere ganz neue Projekt völlig aussichtslos ist, und daß nur die Linienführung vom Zentralpunkt Bielefeld über Heepen - Eckendorf in Aussicht genommen ist.

Es handelt sich bei dem Projekte dieser Strecke um eine direkte Verbindung von Bielefeld mit dem Weserhafen der Kleinbahn in Vlotho, und es ist in der Tat für die industrielle Bedeutung Bielefelds sehr wichtig, daß die Güterladungen, besonders große Waggonladungen, die vom Schiff von der Weser aus in Vlotho in dem der Kleinbahn gehörenden Hafen verladen werden, direkt ohne Umleitung nach Bielefeld befördert werden können. Die Staatsbahn hat, wie bekannt, in Vlotho keinen Quai (=Kai), die Schiffsladungen müssen deshalb mittels Fuhrwerks zum Bahnhof der Staatsbahn transportiert werden, und diese Umladung kostet neben dem Zeitverlust allerlei Geld. Die Wichtigkeit einer Verbindung vom Weserquai der Kleinbahn in Vlotho direkt mit Bielefeld ist schon von verschiedenen größeren Geschäften gewürdigt worden, die ihre Ladungen aus oben angeführten Gründen vom Weserquai in Vlotho mit der Kleinbahn über Herford, um die Verladung zu ersparen, mit dem Umwege von Herford über Enger nach Bielefeld haben senden lassen.
Dieser wichtigen direkten Verbindung zwischen Bielefeld und dem Weserhafen der Kleinbahn in Vlotho Rechnung tragend, hat die Eisenbahnkommission des Landkreises Bielefeld das Projekt einer Bahn von Bielefeld über Heepen - Eckendorf bis zur lippischen Grenze entworfen, mit der Voraussetzung, von hier die Strecke zum direkten Anschluß in Salzuflen an die Kleinbahn des Kreises Herford von Vlotho bis Salzuflen auszubauen.
Die Kreisvertretung des Bielefelder Landkreises hat diesen Bau genehmigt unter der Bedingung, daß der Anschluß von Eckendorf nach Salzuflen gesichert sei.
Ferner hat der Vertreter der Eisenbahnkommission des Landkreises Bielefeld einerseits vom preußischen Eisenbahnministerium die Genehmigung zum Bau der Teilstrecke Bielefeld - Eckendorf erwirkt, andererseits ist ihm von der lippischen Regierung die Bauerlaubnis der weiteren Strecke im Lippischen bis Salzuflen zugesichert, wenn eine Zinsgarantie von den interessierten Kreisen übernommen werde.
Mit diesen Genehmigungen und Zusicherungen sind aber noch längst nicht alle Schwierigkeiten überwunden. Besonders verursachen die Terrainankäufe in der Nähe der Stadt große Weitläufigkeiten.
Für die Anlage des Bahnhofs der neuen Kleinbahn ist ein Projekt ausgearbeitet, nach welchem der seitherige Bahnhof der Kleinbahn von Enger und Werther, der jetzt unmittelbar an der Herforderstraße liegt, aufgehoben und mit dem neuen Kleinbahnhof der Heeper Bahn zusammen im Felde unterhalb der Pottenau und unterhalb des Friedhofs der Herforderstraße vereinigt werden soll. Dieser neue gemeinsame Bahnhof der Kleinbahnen soll einen direkten Anschluss an den neuen Güterbahnhof der Staatsbahn erhalten. Die Stadt Bielefeld hat übernommen, nach Inbetriebsetzung dieses Bahnhofs, diesen mit der Stadt und dadurch auch mit dem Hauptbahnhofe durch die elektrische Straßenbahn zu verbinden. Die noch namenlose Zufuhrstraße zu diesem projektierten Bahnhof führt nicht von der Herforderstraße aus, sondern von der Kaiserstraße ab unter dem ersten Bogen des Bahndamms der nach Lage führenden Staatsbahn durch.
Es wäre nun im Interesse der industriellen Entwicklung unserer Vaterstadt sehr wichtig, daß auch von seiten der städtischen Behörden diesem Bahnprojekt der direkten Verbindung Bielefelds mit dem Wesequai der Kleinbahn in Vlotho mehr Sympathie entgegengebracht und etwa in Betracht kommende städtische Grundstücke zum mäßigen Preise in entgegenkommender Weise zur Verfügung gestellt würden, damit der Verwirklichung dieser für die Industrie unseres Kreises sehr wichtigen Kleinbahn recht bald näher getreten werden könne.



Wiedergabe des Artikels aus der "Westfälischen Zeitung"
mit freundlicher Genehmigung der Zeitung NEUE WESTFÄLISCHE


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