Sennelager: Königliches Militärbauamt Paderborn

33104 Paderborn (Sennelager)

In Betrieb seit
1851

Bahnbetrieb

Feldbahn (600 mm)
1914-1945

Anschlussgleis
(1435 mm)

1935-19xx

Streckenverlauf
1922



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Übersicht Werkbahnen

In Sennelager befindet sich seit 1851 eine militärische Übungsfläche, die ab 1892 zu einem großen Truppenübungsplatz mit Kaserne ausgebaut wurde. Während des ersten Weltkrieges wurde die Anlage um Lager für Kriegsgefangene ergänzt. Ab 1936 wurden die Anlagen erheblich erweitert. Seit 1945 steht der Übungsplatz unter britischem Kommando, die Bundeswehr nutzt ihn seit 1956 mit.

Bahnbetrieb: Nach Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde 5 Kilometer nördlich von Sennelager das "Lager Staumühle" errichtet. Zu dem Lager wurde ab Oktober 1914 durch die Baufirma C. Henke (Witten) eine 6,2 Kilometer lange Strecke durch die Senne gebaut. Ab 1915 wurden im Lager Staumühle Kriegsgefangene interniert, die Versorgung des Lagers erfolgte durch die Bahn.
Bis März 1921 wurde das Lager aufgelöst und der Bahnbetrieb zunächst eingestellt. Da die Senne weiter als militärischer Übungsplatz genutzt werden sollte, wurden die Bahnanlagen nicht abgebaut.


Bild 1: Im Jahr 1915 wurde diese Postkarte aus Sennelager verschickt. Sie zeigt die "Kleinbahn zum Lager Staumühle" - der Personenzug der "Kleinbahn" besteht aus einem vierachsigen Personenwagen und einer Dampflok der Baufirma Henke (Witten), wahrscheinlich Jung 2229. Deutlich ist neben der Gleistrasse der Sandweg zu sehen, der schnurgerade durch die Senne führt. Da die meisten Wege in der Senne um die Jahrhundertwende solche Sandpisten waren, war die Kleinbahn für die Versorgung des Lagers Staumühle unverzichtbar. (Foto: Archiv Christian Dahm).

Bild 2: Im Archiv von Dieter Kreutz findet sich diese Werksaufnahme der Firma Jung. Sie zeigt eine Lok aus der baugleichen Serie Jung 2065-2068. Aus dieser Serie stand Lok Jung 2066 der Baufirma Henke (Witten) in Sennelager im Einsatz.

Seit den Jahren 1922/23 wurde das Feldbahnmaterial an den Kreis Paderborn verpachtet. Gemeinsam mit den Baufirmen Backhaus und Junk wurden Oedlandkultivierungen und Straßenausbauten durchgeführt. Ab 1926 nahm die Platzkommandantur den Betrieb wieder auf. Dafür wurden zwei Dampflokomotiven wieder in Betrieb gesetzt. In den folgenden Jahren wurden im Bereich des Truppenübungsplatzes die Straßen und Wege mit Hilfe der Feldbahn ausgebaut. Dafür wurden die Strecken zeitweilig erheblich verlängert, ein Streckenast soll sogar den Bahnhof Bad Lippspringe erreicht haben.

1935 wurde ein normalspuriges Anschlußgleis vom Bahnhof Sennelager zur Kaserne gebaut und der Ausbau der Straße nach Staumühle war abgeschlossen. Damit entfielen die Feldbahnstrecken zum Bahnhof und nach Staumühle. In den letzten Jahren wurde die Feldbahn nur noch im Bereich Sennelager eingesetzt, spätestens 1945 endete der Betrieb.

Streckenverlauf: (vgl. die Karte von 1922). Am Bahnhof Sennelager befand sich eine Verladerampe mit zweigleisigem Anschluß an die Staatsbahn. Von dort aus führte die Strecke in einem Bogen zur Bielefelder Straße, kreuzte diese und führte auf den Staumühlenweg zu.
Von dort führte ein Streckenast auf der westlichen Seite des Staumühlenweges Richtung Staumühle. Auf halber Strecke befand siech eine Ausweiche, am Eingang zum Lager ein Gleisdreieck. Östlich des Staumühlenweges befand sich ein Betriebsgelände, hier wurden die Fahrzeuge unterhalten.
Der andere Streckenast führte in südlicher Richtung zum Kasernengelände. Dort verzweigte sich das Gleis zu den Magazingebäuden des Proviantamtes, zur Munitionsanstalt und zum Scheibenhof. Ein Streckenast folgte dem Kügler-Weg Richtung Osten bis zum Gefangenenlager "Waldlager".

Betriebsanlagen: Die Betriebsanlagen befanden sich zunächst am Lager Staumühle und am Scheibenhof in Sennelager selbst. Im Scheibenhof war in den 80er Jahren noch ein Lokschuppengebäude mit Gleis vorhanden.

Lokomotiven: Beim Bau der Strecke kamen mindestens zwei Lokomotiven der Baufirma Henke (Witten) zum Einsatz: Sie wurden beide im Oktober 1914 ausgeliefert. Erst im Jahr 1916 wurden 6 (!) Dampfloks an das "Königliche Militärbauamt Paderborn" ausgeliefert. Von diesen Lokomotiven tauchen 5 später beim KuK Militärbergbau in Prijedor auf. In Sennelager blieben eine Jung-Lok der Baufirma Henke (wahrscheinlich Jung 2066) und eine der O&K-Loks (O&K 7563). Beide Loks waren bis in die 30er Jahre in Betrieb. Im Jahr 1942 kam eine bisher unbekannte Diesellok nach Sennelager.

Wagen: Für die ersten Betriebsjahre werden folgende Wagen aufgeführt: 1 Personenwagen, fünf offene und zwei "bedeckte" Güterwagen (jeweils 6 to Tragfähigkeit), dazu 30-40 Kipploren (je 1,5 to Tragfähigkeit).

Der "falsche" Kleinbahnhof: Im Zentrum des Truppenübungsplatzes steht ein Gebäude mit dem Namen "Heidebahnhof". Dieses Gebäude hat niemals Gleise gesehen und hat mit dem Bahnbetrieb nichts zu tun.
Fahrzeugnummer Hersteller Fabriknr. Baujahr Typ Achsfolge
Henke Jung 2066 1913 B-nt Foto(s) vorhanden     Verbleib ist unbekannt
Henke Jung 2229 1914 B-nt Foto(s) vorhanden     Fahrzeug wurde verschrottet
Königliches Militärbauamt Paderborn O&K 7563 1916 B-t       Verbleib ist unbekannt
Königliches Militärbauamt Paderborn O&K 7564 1916 B-t       Verbleib ist unbekannt
Königliches Militärbauamt Paderborn O&K 7565 1916 B-t       Verbleib ist unbekannt
Königliches Militärbauamt Paderborn O&K 7566 1916 B-t       Verbleib ist unbekannt
Königliches Militärbauamt Paderborn O&K 7567 1916 B-t       Verbleib ist unbekannt
Königliches Militärbauamt Paderborn O&K 7568 1916 B-t       Verbleib ist unbekannt

Literatur und Quellen



Neben eigenen Aufzeichnungen wurden folgende Quellen ausgewertet:
  • Rüdiger Fach, Günter Krall, Heeresfeldbahnen der Kaiserzeit, Nordhorn 2002

  • Jens Merte, Lokomotivfabriken in Deutschland (CD-Rom), Hamburg 2008

  • Ohne Autorenangabe: Die Militäreisenbahn des Truppenübungsplatzes Senne bei Paderborn
    in: LOK-Report 11 / 1986, S. 32/33

  • Reichsamt für Landesaufnahme, Berlin (Hg.), Sonderdruck für den Führer "Unsere Senne" für die Deutschen Jugendherbergen in Altena (1925), Berichtigungsstand: 1922, Maßstab 1 : 100 000


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