Brackwede: Bielefelder Hartsteinwerke

33647 Bielefeld (Ortsteil Brackwede), Brackweder Str. 32

Betriebseröffnung
1912

Bahnbetrieb

Feldbahn (600 mm)
1912-1972

Fotos Sandgrube Senner Hellweg

Fotos Stammwerk Brackwede

Fotos Kalkwerk Teutoburg

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Betriebsgeschichte: Die "Bielefelder Hartsteinwerke" nahmen ihren Betrieb im Jahr 1912 auf. Das Stammwerk und der Firmensitz der Hartsteinwerke lagen immer in Brackwede. Offenbar erwartete Firmengründer August Dopheide einen guten Absatz seiner Kalksandsteine, wenn der Name der größeren Nachbarstadt "Bielefeld" im Firmennamen auftaucht.

Der Betrieb wurde später von August Dopheide an seinen Sohn Karl abgegeben. In den 30er Jahren wechselten die Hartseinwerke dann in den Besitz von Ernst Hassler und firmierten seitdem unter "Bielefelder Hartsteinwerke Ernst Hassler KG". Ende der 40er Jahre übernahm sein Sohn Ernst-Jürgen den Betrieb.

Die Firma schloss sich später der "Kalksandstein-Kontor Westfalen-Lippe GmbH" an, unter deren Leitung dann auch die die Produktion der Kalksandsteine eingestellt wurde.

Produktionsstätten: Kalksandsteine werden aus einem Gemisch von gebranntem Kalk und Sand hergestellt. Die Bielefelder Hartsteinwerke brauchten also immer eine Kalk- und eine Sandgrube, um die Rohstoffe für ihre Steine zu gewinnen.

Stammwerk Brackwede (Brackweder Str. 32, 33647 Bielefeld): Das Stammwerk befand sich von 1912 - 1985/6 in Brackwede nahe dem Friedhof an der Brackweder Straße. Die Sandgrube lag südlich des Werkes und wurde mit einer Feldbahn erschlossen, abgebaut wurde mit einem Eimerkettenbagger. Nach Eröffnung der Sandgrube am Senner Hellweg (1953) wurde die Grube stillgelegt und verfüllt. Die Fläche wird heute von der Straße "Stadtring" durchschnitten, der südliche Teil der Grube ist zum Industriegebiet (zwischen "Stadtring" und "Arnsberger Str.") geworden. Reste der Werksgebäude sind noch vorhanden.

Kalksteinbruch Amshausen (Kalkwerk, 33803 Steinhagen): Das Kalkwerk Teutoburg war bereits 1890 eröffnet und später von den Hartsteinwerken übernommen worden. In Amshausen gab es einen Kalksteinbruch und zwei Kalköfen. Der gebrannte Kalk wurde per LKW nach Brackwede gebracht. Da die Qualität des Kalks je nach Abbaustelle im Berg stark schwankte, wurde die Grube 1965 stillgelegt und der Kalk von Dykerhoff zugekauft.

Kalksandsteinwerk Oerlinghausen (An der Bleiche 21, 33813 Oerlinghausen): In den 50er Jahren sollte der Standort Brackwede aufgegeben und durch ein modernes Werk in Oerlinghausen ersetzt werden. Direkt neben dem Werk schloss eine Sandgrube an. Die Grube war über mehrere Förderbänder erschlossen, der Kalk mußte mit LKW angeliefert werden. Durch den Bau-Boom nach dem zweiten Weltkrieg waren beide Werke über Jahre voll ausgelastet und bestanden nebeneinander. Das Werk in Oerlinghausen wirde 1998 stillgelegt, die Sandgrube wird im kleinen Rahmen weiter genutzt. Einen Feldbahnbetrieb gab es in der Sandgrube in Oerlinghausen nie.
Für den Bau des Kalksandsteinwerkes in Oerlinghausen wurde eine Kipplore mit fliegendem Gleis eingesetzt, die zwischen dem Speismischer und den Arbeitsplätzen hin und her geschoben wurde. Mehr Bahnbetrieb gab es nicht in diesem Werksteil (Foto: Archiv W.D. Hassler ).

Sandgrube Senner Hellweg (Senner Hellweg 137, 33659 Bielefeld): Ab dem Winter 1951/2 wurde am Senner Hellweg (nahe der heutigen Autobahnabfahrt Bielefeld - Sennestadt) eine Sandgrube erschlossen. Die Grube ging im August 1953 in Betrieb. Nahe der Straße "Senner Hellweg" war eine Verladerampe mit zwei Vorratsilos errichtet worden. Hier wurde der Sand von Kipploren in LKW´s verladen. Direkt daneben gab es einen kleinen Lokschuppen. In der Grube kam ein Seilbagger zum Einsatz. Der Betrieb wurde im Sommer 1972 stillgelegt, danach wurde die Sandgrube als Mülldeponie genutzt. Heute ist die Oberfläche renaturiert.

Feldbahnbetrieb: Für das Stammwerk in Brackwede wurde 1934 eine Deutz-Lok neu angeschafft - ob in den Vorjahren andere Loks vorhanden waren, ist nicht bekannt. Daneben waren einige Kipploren und Kastenkipper vorhanden. Nach der Stillegung der Sandrube in Brackwede wurde das Feldbahnmaterial zur neuen Grube am "Senner Hellweg" umgesetzt und war dort bis 1972 in Gebrauch.

Das "Kalkwerk Teutoburg" in Amshausen hatte in den ersten Betriebsjahren eine einfache Feldbahnanlage in Betrieb. Nach der Übernahme durch die Hartsteinwerke wurde die Anlage ausgebaut und am unteren Kalkofen ein Lokschuppen eingerichtet. Fotos belegen den Einsatz einer Deutz-Lok vom Typ OMZ 117. Offenbar war auch hier eine Lok aus Brackwede umgesetzt worden. Bilder zeigen einen Bestand von über 50 Kipploren in Amshausen.

In der Sandgrube am Senner Hellweg waren Anfang der 70er Jahre 3 Deutz-Loks vorhanden. Eine Lok (Deutz 11853) konnte an die Dampfkleinbahn Mühlenstroth abgegeben werden - das restliche Feldbahnmaterial der Hartsteinwerke dürfte zum Schrotthändler gegangen sein.
Fahrzeugnummer Hersteller Fabriknr. Baujahr Typ Achsfolge
Bielefelder Hartsteinwerke Deutz 11853 1934 OMZ 122 F B-dm Foto(s) vorhanden      
Bielefelder Hartsteinwerke Deutz 18171 1937 OME 117 F B-dm Foto(s) vorhanden     Verbleib ist unbekannt
Bielefelder Hartsteinwerke KHD 46435 1941 OMZ 122 F B-dm Foto(s) vorhanden     Verbleib ist unbekannt

Quellen und Literatur


  • Gemeindeverwaltung Brackwede (Hg.):
    Stadtplan Brackwede (1 : 10 000), Ausgabe 1950
    Brackwede 1950

  • Wulf D. Hassler, Erinnerungen und Notizen (10.2013)

  • Jens Merte, Lokomotivfabriken in Deutschland (CD-Rom), Hamburg 2008

  • Rolf Reckers, Bielefelder Hartsteinwerk, Sandgrube Senne, in: Bahn-Express 1986 (Heft 2, S. 111, 112)

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