M. Michelsohn & Comp, Hausberge, Minden und Berlin

32457 Porta Westfalica (Hausberge), ab 1917: Minden
Betriebseröffnung
1861

Bahnbetrieb

Feldbahn (600 mm)
1904-19xx

Anschlussgleis
(1435 mm)

19xx-19xx


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Übersicht Werkbahnen


Unter dem Namen "M. Michelsohn & Comp" wurde im Jahr 1861 in Hausberge ein Familienbetrieb gegründet, der sich zunächst mit dem Abbau von hochwertigem Porta-Sandstein befasste.

In späteren Jahren kamen weitere Geschäftsfelder dazu, im Jahr 1917 wurde der Firmensitz von Hausberge nach Minden verlegt. Am 23.12.1927 meldete die Firma Konkurs an, der Betrieb konnte aber in Teilen unter dem Namen "M. Michelsohn und Co" in Minden fortgeführt werden. Im Jahr 1939 wurde die Firma aus dem Gesellschaftsregister gelöscht.

Bekannt sind folgende Geschäftsfelder und Betriebe mit Schienenverkehr:

Sandsteinabbau am Wittekindsberg: Ab etwa 1845 wurde Porta-Sandstein an der Porta Westfalica abgebaut. Michelsohn hatte den Berg dafür vom Colon Schonebohm gepachtet. 1867 wurde am Wittekindsberg der unterirdische Abbaubetrieb begonnen. Der Stollen erreichte eine Länge von 70 m, eine Breite von 6,7 m und eine Höhe von 12 m. Über einen Bremsberg wurden die Steine ins Tal befördert und zu einem Lagerplatz am Weserufer gebracht. Dort wurden sie bearbeitet und verschifft. Dieser Betrieb endete am 31. Dezember 1895 aus "ästhetischen Gründen", da ein Steinbruch unterhalb des Denkmals als unpassend angesehen wurde. Anfang 1944 wurden diese Stollen für die unterirdische Produktion von Kugellagern von Jagdflugzeugen ausgebaut. Diese Anlagen wurden am 23. April 1946 auf Befehl des Alliierten Kontrollrats gesprengt. Durch diese Explosion wurde die Ringterrasse des Denkmals teilweise zerstört.

Blick auf den Bahnhof Porta vor dem viergleisigen Ausbau der Hauptstrecke. In der Bildmitte ist die Weserbrücke zu erkennen, auf der rechten Bildseite liegt noch die alte Weserfähre am Ufer. Links stehen eine Reihe von Güterwagen, hier wurde die Kohle und Eisenerz für die Eisenhütte "Porta Westfalica" verladen. Beim viergleisigen Ausbau der Strecke wurde dieser Teil des Bahnhofs aufgegeben und später mit der Auffahrrampe der zweiten Weserbrücke überbaut. Auf dem gegenüberliegenden Ufer liegt ein Schiff am "Michelsohnischen Steinhauerplatz": Der Michelsohn-Steinbruch am Wittekindsberg lag unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals und mußte 1895 aufgegeben werden. Bis etwa 1912 wurde auf der anderen Weserseite am Jakobsberg in Stollen Sandstein gewonnen, danach kam der Sandstein aus Erder (Foto nach 1896: Postkarte, Archiv schmalspur-ostwestfalen.de).

Sandsteinabbau in Erder (Kalldorfer Holz): Nach dem Ende des Abbaus am Wittekindsberg pachtete Michelsohn von 1907 - 1934 den Steinbruch im "Kalldorfer Holz". Dieser wurde 1934 als letzte Unternehmung der Firma "M. Michelsohn und Co" eingestellt.

Kiesabbau am Weserbogen: 1884 begann der Kiesbaggerbetrieb in der "eisenbahnfiskalischen Kiesgrube" bei Porta, der Kies wurde vor allem im Bahnbau verwendet. Ab 1904 wurden auch Kiesvorkommen in der Umgebung von Costedt erschlossen. Diese Unternehmungen liefen unter dem Namen "Mindener Kieswerke Otto Michelsohn". Der Kiesabbau bestand auch nach dem Ende der Firma Michelsohn weiter. In den 1950er Jahren gab es sowohl im Bereich des heutigen Südlichen Sees als auch des jetzigen "Vogelparadieses" Feldbahnbetrieb mit (Diesel)Lokomotiven. Vom Vogelparadies führte ein regelspuriges Anschlußgleis zum Pbf Porta. Welche Firmen die Nachfolge von Michelsohn antraten, ist bisher nicht bekannt.

Schleppschiffahrt Porta: Die Firma unterhielt einige kleine Güterdampfer und gehörte wie die "Mindener Kieswerke Otto Michelsohn" Michel Wolf Michelsohn (1838-1912).

Baugesellschaft Michelsohn: Im Jahr 1900 wurde in Hausberge eine eigene Baugesellschaft gegründet, die ihren Firmensitz 1917 nach Minden verlegte. Die Gesellschaft war im Eisenbahnbau und im Hafen- und Brückenbau tätig, die Zahl der Beschäftigten wird mit 1500 angegeben. 1916 wird die Baugesellschaft geteilt: Eine Firma hatte ihren Sitz in Minden (Leitung: Hermann und Nathan Michelsohn), die andere in Berlin-Charlottenburg (Leitung: Walter und Oskar Michelsohn).

Mindener Maschinenfabrik: In der Festungsstrasse 1 hatte M. Michelsohn seit 1899 eine Niederlassung, in der eigene Maschinen und Lokomotiven repariert wurden. Das Gelände war mit einem Anschlußgleis an die Mindener Kreisbahnen angebunden. Im ersten Weltkrieg wurde in der Maschinenfabrik Munition gefertigt. Im Februar 1917 brannten die alten Werkstattgebäude aus. Der Betrieb wurde auf dem Gelände des Sägewerkes Eggerding & Breyer (Kanalstr. 46/48) aufrecht erhalten. Dort wurden die Lokomotiven im Freien repariert.

Bis 1919 wurden auf dem Gelände in der Karlstr. 25-31 neue Montagehallen gebaut, die ebenfalls einen Gleisanschluss an die Mindener Kreisbahnen erhalten. Die Mindener Maschinenfabrik reparierte weiter Lokomotiven und spezialisierte sich auf den Umbau von Dampflokomotiven für Südafrika. In der Literatur wird erwähnt, dass in Minden auch Lokomotiven gebaut wurden - dafür gibt es bisher aber keine Belege. Ab 1923 entwickelte die Mindener Maschinenfabrik einen Trecker für die Landwirtschaft, den "BAUMI"-Trecker. Er ähnelte stark dem 12er-Lanz-Bulldog und wurde etwa 500 Mal gebaut. 1927 geht die Firma in Konkurs.

Chemische Werke Michelsohn: In der Wilhelmstrasse 79 in Minden betrieb Nathan Michelsohn von 1917-1920 die Chemischen Werke Michelsohn, die Waschmittel herstellten.

Fahrzeuge: In Lieferlisten tauchen verschiedene Loks mit der Empfängerangabe Michelsohn auf. Bisher ist nicht nachzuvollziehen, welchem Teil des "Michelsohn-Imperiums" die Loks zugeordent werden können. Vor allem auf den Großbaustellen müssen viele Bauloks im Einsatz gestanden haben.
Fahrzeugnummer Hersteller Fabriknr. Baujahr Typ Achsfolge
Michelsohn Deutz 3062 1918 C XIV F C B-bm       Verbleib ist unbekannt

Literatur und Quellen


  • Recherchen von Rainer Ebel zur Geschichte und zum Schicksal der jüdischen Familie Michelsohn

  • Rainer Ebel, Angela Ehling
    Der Porta-Sandstein. Geologie, Vorkommen, historischer Abbau und Verwendung
    in: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL, Hg.), Geologie und Paläontologie in Westfalen (Heft 82), Münster 2012, S. 5-146

  • Ralf Klöpperpieper
    Baugeschäft und Baumi-Trecker. Wie eine Tiefbaufirma aus Minden dazu kam, einen Traktor zu bauen
    in: landwirtschaftliches Wochenblatt 29/2007, S. 31,32

  • Jens Merte
    Lokomotivfabriken in Deutschland (CD-Rom)
    Hamburg 2008

  • Schulprojekt der Gesamtschule Porta Westfalica: Der jüdische Friedhof Hausberge

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