Die Fahrzeuge der Wallückebahn


Die Wallückebahn war mit einer Spurweite von 60 cm gebaut worden - und bewegte sich in ihrer Zeit am Rand des technisch Machbaren. Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein (GMBHV) in Osnabrück wollte mit dem Bau der Bahn zeigen, dass auch auf dieser kleinen Spur ein sicherer und wirtschaftlicher Bahnbetrieb möglich war. So war man bei der Entwicklung und beim Bau der Fahrzeuge um höchste Qualität bemüht.

Es kamen technisch ambitionierte Lokomotiven und Wagen zum Einsatz, alle Fahrzeuge waren als Drehgestellfahrzeuge gebaut worden und boten ruhige und sichere Laufeigenschaften. Die Wagen wurden vom GMBHV selbst entwickelt und gebaut und überzeugten technisch bis zur Betriebseinstellung der Bahn.

Leider liegen zu den Fahrzeugen der Wallückebahn bisher unvollständige Informationen vor, die genauesten Angaben gibt es bisher zu den Lokomotiven. Zu den vom GMBHV gebauten Wagen liegen viele technische Informationen vor, die Lebensläufe der einzelnen Wagen bleiben ungeklärt und können hier nur zusammenfassend dargestellt werden.

Lokomotiven der Wallückebahn

Zur Betriebseröffnung standen der Wallückebahn zwei hochwertige Verbundlokomotiven der Firma Jung zur Verfügung. Im Alltagsbetrieb stellte sich bald heraus, dass die Fahrzeuge für die Bahn nicht geeignet waren. Es wurden weitere Lokomotiven erprobt, bis mit den einfachen O&K-Loks 6 und 7 die passenden Fahrzeuge gefunden waren. Insgesamt standen auf der kurzen Strecke zur Wallücke acht verschiedene Loks im Einsatz!


Personenwagen der Wallückebahn

Zur Betriebseröffnung lieferte die Georgsmarienhütte drei vierachsige Personenwagen mit Abteilen für die II. und III. Klasse (vgl. Bild links). Bis 1905 wurden zwei weitere Wagen geliefert. 1908 wurde in die Wagen eine elektrische Beleuchtung eingebaut, im Jahr 1934 standen noch 3 Wagen in Betrieb.

Für die Beförderung von Stückgut und Postsendungen war 1897 zunächst ein vierachsiger Packwagen in Betrieb genommen, bis 1905 wurde ein zweiter Packwagen in Dienst gestellt. Im Jahr 1934 war noch einer der beiden vorhanden und lief bis zur Betriebseinstellung 1937 in den Zügen mit. Er wurde wie alle anderen Fahrzeuge der Wallückebahn nach der Betriebseinstellung zerlegt.



Güterwagen der Wallückebahn

Alle Güterwagen der Wallückebahn waren als Drehgestellfahrzeuge gebaut worden. Zur Betriebseröffnung standen 8 (geschlossene und offene) Güterwagen bereit.

1897 wurde in der Eröffnungsschrift über diese Wagen berichtet: "Die Güterwagen sind für eine Tragfähigkeit von 7,5 t, also 1/2 der neueren Staatsbahnwagen bemessen. Sie sind theils als offene Plattformwagen mitniedrigen Bordwänden, theils als gedeckte Wagen mit seitlichen Schiebetüren vorhanden.
Ihre Bodenfläche mißt bei den gedeckten Güterwagen 8 m Länge und 1,65 m Breite, bei den offenen Wagen 6,50 m Länge und 1,65 m Breite.
Die geräumigen gedeckten Güterwagen sind zugleich auch zum Rindvieh- und Pferdetransport eingerichtet; sie bieten z.B. bequem Raum für 4 Pferde und zeichnen sich in dieser Beziehung noch besonders dadurch aus, dass die Thiere infolge der außerordentlich niedrigen Bodenhöhe ohne Rampe verladen werden können, wie denn überhaupt die tiefe Lage des Schwerpunktes und des Wagenbodens ein äußerst bequemes Verfrachten aller Güter zur Folge hat".

Zu diesen Wagen kam etwa 1917 ein geschlossener Wagen mit Wellblechdach, der mit weiteren Fahrzeugen auf der Wallückebahn erprobt worden war. Nach Probefahrten verblieb der Wagen bei der Wallückebahn und kam nicht - wie ursprünglich geplant - beim Bau der Bagdad-Bahn zum Einsatz.

Im Jahr 1934 werden 1 gedeckter Güterwagen (5 to Ladegewicht) und 3 gedeckte Güterwagen (für 10 to Ladegewicht) gezählt. Dazu kommen 20 offene Güterwagen mit 10 to Ladegewicht (darunter sind die ehemaligen Erzwagen mitgezählt) und 6 offene Güterwagen mit 15 to Ladegewicht. Alle Güterwagen wurden nach der Betriebseinstellung 1937 zerlegt.

Erzwagen der Wallückebahn

Ein Hauptzweck des Bahnbaus war der Abtransport des Eisenerzes von der Wallücke.
Dafür wurden bei der Georgsmarienhütte vierachsige Kipptaschenwagen konstruiert und gebaut. Die Wagen hatten einen Boden mit "Eselsrücken" (er war also in der Mitte etwas höher und zu den Seiten hin abfallend).
An den Seiten waren große Klapptüren angebracht, über die das Erz automatisch entladen werden konnte. Die Wagen hatten eine Tragfähigkeit von 10 to. Von diesen Erzwagen waren mindestens 12 Stück vorhanden. Sie wurden bis zur Aufgabe der Erzgrube im Jahre 1923 für den Erztransport genutzt. Danach wurden sie umgebaut und fanden eine neue Verwending als Sandtransportwagen. Alle Erzwagen wurden nach der Stillegung der Bahn verschrottet.


Regelspruge Fahrzeuge

Die Statistik für 1934 weist einen "normalspurigen Stückgutumschlagwagen" aus. Seine Herkunft und Verbleib sind unklar. Denkbar (aber nicht nachgewiesen!) ist eine weitere Verwendung dieses Wagens bei den Herforder Kleinbahnen, die im Stillegungsjahr die Betriebsführung der Wallückebahn inne hatten.


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