Künsebeck: Kalk- und Mergelwerke Heinrich Müller

33790 Halle (Westfalen), Ortsteil Künsebeck, Kalkstraße 8

In Betrieb
seit 1880

Feldbahn (600 mm)
1918-1967
Anschlussgleis
(1435 mm)
1903-19xx

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Übersicht Werkbahnen

Betriebsgeschichte: Seit 1880 wurde der Kalksteinbruch und der Kalkofen am Bahnhof Künsebeck von der Kalkbrennerei Windmüller & Co betrieben. Windmüller hatte für den Weg zum Kalkofen bereits eine Feldbahn gebaut - gezogen wurden die Loren aber von Pferden. An der Kalkgrube wurde in zwei Schachtöfen, am Bahnhof Künsebeck in zwei Ringöfen gebrannt.
1912 wurde das Werk von Heinrich Müller gekauft, der ein weiteres Werk in Westerhausen bei Melle betrieb - dort gab es ebenfalls Feldbahnbetrieb. Müller modernisierte in den folgenden jahren das Werk in Künsebeck: Im Jahr 1916 kam die erste Dampflok in Betrieb und die Zahl der Loren erhöhte sich. Seit 1927 standen drei Schachtöfen in Betrieb.
1961 wurde die moderne, weithin sichtbare Ofenanlage am Steinbruch in Betrieb genommen. Zum Jahresende 1966 erlosch die Genehmigung zur ungesicherten Überquerung der Bundesstrasse 68. Die Kosten für eine Blinklichtanlage waren der letzte Anlass, den Transport auf LKW umzustellen und die Feldbahn stillzulegen.

Lokomotiven: In den ersten Betriebsjahren wurden die Loren "meist mit Pferden gezogen". Nach der Übernahme des Werkes durch Heinrich Müller wurde in Fahrzeuge investiert: Im Jahr 1916 taucht eine erste - bisher unbekannte - Dampflokomotive in den Statistiken auf. Zwischen 1922 und 1932 wurde durchgehend mit zwei Lokomotiven gefahren. Eine dieser Loks war die O&K 7610, die 1918 neu an Müller geliefert und dort als letzte Lok im Frühjahr 1967 abgestellt wurde.

Neben dieser "Stammlok" waren die anderen Loks nur für einige Jahre bei Müller im Einsatz: Dazu gehörte wahrscheinlich die O&K-Lok 7613, für die es bisher in Künsebeck aber keinen Einsatznachweis gibt. Vom benachbarten Kalkwerk ("Westfälische Kalkindustrie Köppen") wurde wohl nach 1932 eine C-gekuppelte Dampflok übernommen. Mitarbeiter von Müller erinnerten sich an eine "störanfällige dreiachsige Dampflok", die spätestens Anfang der 60er Jahre zerlegt wurde. Gebraucht kamen die O&K 12677 und die beiden Jung-Loks (3700 und 8500) nach Künsebeck, offenbar als Ersatz für ausgeschiedene ältere Loks. Im Streckendienst waren bis zur Stillegung ausschließlich Dampfloks im Einsatz, in der Kalkgrube rangierte die offene Schöma-Diesellok.

Nach der Betriebseinstellung wurde die Schöma-Lok in der Grube zerlegt und die Dampfloks für ein paar Jahre neben den alten Kalköfen am Bahnhof Künsebeck geschützt abgestellt. Sie wurden nach und nach zerlegt, 1978 konnte die DGEG Lok O&K 7610 erwerben. Sie steht heute im Eisenbahnmuseum in Bochum-Dahlhausen.

Wagen: In den ersten Betriebsjahren gab es nur wenige Loren, die von Pferden gezogen wurden: Im Jahr 1899 werden 5 Kipp- und 16 Kastenloren aufgelistet. 1913 standen 15 Kipploren mit 1,5 to Ladegewicht im Einsatz.

Heinrich Müller schaffte nach der Betriebsübernahme eine große Zahl von Loren an: Im Jahr 1919 werden 28 Kipploren und 40 "Feldkastenwagen" (offenbar von den Heeresfeldbahnen übernommen) aufgeführt. Bis zum Jahr 1932 werden regelmäßig 70-90 Kipploren und etwa 60 "Steinwagen" aufgelistet. Die Angaben zur Tragfähigkeit schwanken zwischen 1 und 1,5 to. Fotos belegen noch in den 50er Jahren den Einsatz von langen Zügen mit Kipploren und Kalkeinsatzwagen. Beide Wagentypen unterschieden sich durch die Achslager: Die Kipploren hatten Aussenlager, bei den Kalkeinsatzwagen waren Innenlager verbaut - damit waren die Wagen schmaler und konnten im Werk leichter von Hand entladen werden.
Fahrzeugnummer Hersteller Fabriknr. Baujahr Typ Achsfolge
Kalkwerke Müller O&K 7610 1918 B-n2t Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
Kalkwerke Müller O&K 7613 1921 B-n2t       Verbleib ist unbekannt
Kalkwerke Müller Henschel 20056 1925 C-n2t       Fahrzeug wurde verschrottet
Kalkwerke Müller Jung 3700 1925 Hilax B-n2t Foto(s) vorhanden     Fahrzeug wurde verschrottet
Kalkwerke Müller O&K 12677 1935 B-n2t Foto(s) vorhanden     Verbleib ist unbekannt
Kalkwerke Müller Jung 8500 1940 Hilax B-n2t Foto(s) vorhanden     Fahrzeug wurde verschrottet
Kalkwerke Müller Schöma 2036 1957 KDL 8 B-dm       Fahrzeug wurde verschrottet

Künsebeck Müller: Übersichtskarte



Die Kalkwerke Böckelmann und Müller auf Kartenmaterial der US-Army: Der Ausschnitt aus der Karte Halle zeigt die Kalkgruben nordöstlich der Brackweder Str. (heute Bundesstraße 68). Maßstab: Der Abstand zwischen den Rasteerlinien entspricht 1000 m. Quelle: Digitale Kartensammlung der Harold B. Lee Library, USA.

Streckenverlauf: Die Kalkwerke lagen unmittelbar am Bahnhof Künsebeck. Der südliche Werkskomplex (neben der Beschriftung "K.O." für Kalkofen) gehört zu den kalkwerken Müller. Die Strecke zur Kalkgrube verließ das Werksgelände parallel zur heutigen "Sperberstr." und ging gerade weiter auf die "Brackweder Str." (heutige B68) zu. Dieser Streckenabschnitt ist heute mit Wohnhäusern überbaut. Nach Überqueren der B68 schwenkte die Strecke leicht nach rechts und erreichte in Höhe der "Hochstr." die heutige "Kalkstr." Hier ist auf der Bahntrasse zwischenzeitlich die Kindertagesstätte Künsebeck gebaut worden. Die Strecke traf am Eingang des Steinbruchs auf die Kalköfen - die Gleisanlagen in der Kalkgrube wurden häufig geändert und sind auf der Karte nicht dargestellt.

Streckenlänge: In den Statistiken wird 1899 eine Länge von 1350 m angegeben. Nach der Übernahme durch Heinrich Müller wächst die Länge auf 1750 m. In den dreißiger Jahren werden 2500 m angegeben, die Nebengleise waren noch einmal so lang. Im Jahr 1913 wurden zu Zeiten des Pferdebetriebes schon 30 Weichen gezählt - Müller nennt in den dreißiger Jahren 50 Weichen.

Literatur und Quellen


  • Helmut Beyer
    Kalkwerk Künsebeck
    in: Die ganz kleinen Eisenbahnen 3/1973 (Gifhorn), S. 44

  • Jens Merte
    Lokomotivfabriken in Deutschland (CD-Rom)
    Hamburg 2008

  • Regierung Minden: Aufstellung von den in den Kreisen vorhandenen schmalspurigen Industrie- und Feldeisenbahnen von mehr als einem Kilometer Länge (1899-1934)
    (Landesarchiv Detmold)

  • Homepage der Kalkwerke Müller

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