Bielefelder Kreisbahnen: Anschlussgleise



Der Güterverkehr der Bielefelder Kreisbahnen litt in den ersten Betriebsjahren unter der fehlenden direkten Anbindung an die Staatsbahn in Bielefeld. Entlang der schmalspurigen Strecken nach Werther und Enger gab es nur wenige große Güterkunden, die Interesse an einem eigenen Gleisanschluss hatten. So wurden die meisten Güter an Ladestellen und in den Bahnhöfen verladen. Auch im Stadtgebiet von Bielefeld wurden in den ersten Jahren nur 3 schmalspurige Anschlußgleise errichtet. Die wenigen schmalspurigen Anschlussgleise entstanden erst nach der Aufnahme des Rollbockverkehrs im Jahr 1910 in Werther und Bielefeld.

Im Bereich der Eckendorfer Straße sollte nach dem Wunsch der Stadt Bielefeld auf unbebauten Flächen neue Industrie angesiedelt werden. Dafür begann die Stadt Bielefeld mit dem Bau einer Industriegleisanlage, die von den Bielefelder Kreisbahnen übernommen und weiter ausgebaut wurde. So gab es zunächst eine Reihe von regelspurigen Anschließern im Bereich des Kreisbahnhofes.

Vom Kreisbahnhof wurden in den 20er Jahren zwei Industriestammgleise gebaut: Das erste Gleis wurde im Bereich "Sudbrack". Dieses Gleis wurde umgangssprachlich "Sudbrackbahn" genannt und später auch als Sammelbegriff für alle Anschlüsse rund um den Kreisbahnhof benutzt.

Auf Wunsch der Stadt Bielefeld entstand danach ein zweites Industriegleis in Richtung Stadtholz. Es verlief beim Bau noch durch freie Flächen, auf denen man sich die Ansiedlung von größeren Industriebetrieben in Stadtnähe erhoffte - diese Wünsche gingen aber nicht in Erfüllung und das Gleis wurde bald schon wieder verkürzt. Vor dem zweiten Weltkrieg wurde an dieses Industriegleis das Luftwaffen-Bekleidungsamt angebunden, dass lange Jahre die meisten Wagenladungen der Kreisbahn aufgab und empfing.

Nach der Stillegung des schmalspurigen Güterverkehrs (1956) kam auch der Regelspurbetrieb in die Krise, da die britischen Streitkräfte den Betrieb zum ehemaligen Luftwaffen-Bekleidungsamt stark einschränkten. Damit fiel der Hauptkunde der Kreisbahn weg und die Deutsche Bundesbahn betrieb ab dem 1.11.1957 den Restbetrieb.

Im Jahr 1968 wurden die Gleisanlagen um ein neues städtisches Industriestammgleis entlang der Eckendorfer Str. erweitert. In den nächsten Jahren nahm der Betrieb schrittweise ab und wurde im Jahr 2002 ganz eingestellt.


Quellen:
  • Bielefelder Kreisbahnen, Geschäftsberichte
  • Industrie- und Handelskammer Bielefeld, Zusammenstellung der Anschliesser im Bereich der Industrie- und Handelskammer Bielefeld (50er Jahre, Westfälisches Wirtschaftsarchiv, Dortmunf)
  • Meinhard Döpner, Bielefelder Kreisbahnen, in: W.D. Machels, Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland (Loseblattwerk), München 2008, Folge xx (S. 1-36)

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