Bielefelder Kreisbahnen: Rollböcke


Am 1. Mai 1909 wurde in Bielefeld der neue Kreisbahnhof eröffnet. Es dauerte dann noch ein knappes Jahr, bis alle Gleisanlagen wirklich fertig gestellt waren. Im ausgebauten Zustand waren ein Anschluss zur regelspurigen Staatsbahn und zwei Rollbockgruben vorhanden. Nach der Auslieferung von eigenen Rollböcken konnte am 21. April 1910 der Verkehr mit aufgebockten Regelspurwagen aufgenommen werden.

Bestandsentwicklung

Die ersten 12 Rollböcke wurden wahrscheinlich im Jahr 1909 vom „Haus- und Hoflieferanten" Weyer in Düsseldorf geliefert, im Geschäftsjahr 1913/14 folgten 10 weitere Rollböcke. Diese Rollböcke hatten eine Tragfähigkeit von 12,5 to.

Im Jahr 1919 wurden 18 neue Rollböcke beschafft, "da 12 alte Rollböcke nicht mehr verwendungsfähig waren". Offenbar konnten die ersten 12 Rollböcke aus dem Jahr 1909 nicht auf 15 to Tragfähigkeit ertüchtigt werden, ihr Verbleib ist unbekannt. Wie bei den Herforder Kleinbahnen wurden nun einzelne Rollböcke von den Anschliessern angeschafft - so übernahm das "Rittergut Eckendorf" 2 der neuen Rollböcke. So stehen 1919 insgesamt 28 Rollböcke in Betrieb, die Tragfähigkeit wird nun einheitlich mit 15 to angegeben.

Im Jahr 1920 sinkt die Zahl der Rollböcke wieder auf 24 - auch hier ist der Grund für die Abstellung und der Verbleib der fehlenden 4 Rollböcke unklar.

Der Rollbockverkehr entwickelte sich in den nächsten Jahren gut, in den 30er Jahren wurden weitere Fahrzeuge gebraucht. 1937 wurden sechs Rollwagen gebraucht gekauft und in eigener Werkstatt zu Rollböcken umgebaut. Dadurch stieg der Bestand aber nur auf 26 Stück an. 1938 wurden aus „vorhandenen Achsen und Rollbockteilen" zwei weitere Rollböcke aufgebaut, nun waren 28 Wagen in Betrieb. Danach war die Anschaffung von 6 neuen Rollböcken geplant, der Geschäftsbericht 1939 bestätigt, dass 4 Rollböcke von der „Firma Westwaggon, Köln-Deutz" geliefert worden seien, in der Summe sind nun 17 Paar Rollböcke vorhanden. Ob das fehlende Paar später geliefert oder auch als Eigenbau aus vorhandenen Teilen entstand, ist unklar. Bis zur Betriebseinstellung sind immer 17 Paar Rollböcke (= 34 Stück) im Einsatz.

1956 werden 6 Rollböcke (Fahrzeuge 95, 97, 99, 100-102) an die Herforder Kleinbahnen verkauft, davon gelangten die Wagen 99 und 102 im Jahre 1966 sogar noch nach Sylt! Die restlichen 28 Rollböcke übernimmt die Firma Hebeler als Schrott. Es gelang Hebeler im Herbst 1957 noch 16 Rollböcke an die Geilenkirchener Kreisbahnen weiter zu vekaufen: Dabei handelte es sich um die ehemaligen Bielefelder Fahrzeuge 53-55, 59, 62, 63, 69-73, 75-77, 80 und 86. Die übrigen Rollböcke dürften von Hebeler zerlegt worden sein.

Nummerierung

Im gemeinsamen Nummerierungsplan mit den Herforder Kleinbahnen konnten die Nummerngruppen 53-76 (= 13 Paare) und 95-102 (= 4 Paare) mit Bielefelder Rollböcken belegt werden. Alle bekannten Fahrzeugnummern liegen in diesen Bereichen. Einzige Ausnahme bilden die Neuanschaffungen aus dem Jahr 1938 (77-80): Nach Auflösung der Betriebsgemeinschaft mit den Herforder Kleinbahnen (1934) nahmen die Bielefelder Kreisbahnen keine Rücksicht mehr und belegten die bestehenden Lücken mit eigenen Fahrzeugen.

Durch den Eigenbau von Rollböcken und den Ersatz von Unfallfahrzeugen hat es insgesamt mehr als die in den Statistiken ausgewiesenen 17 Rollbockpaare gegeben. Gerade in den letzten Betriebsjahren häuften sich Unfälle mit aufgebockten Wagen, Fotos belegen massive Schäden an den Rollböcken. Unter welchen Nummern die Werkstatt in Enger die Fahrzeuge wieder aufbaute, läßt sich im Einzelnen bisher nicht nachvollziehen. In der Hauptwerkstatt in Enger waren 1953 zusätzlich einige ausgemusterte Rollböcke als Transportuntergestelle für Lokomotivkessel und Rahmen vorhanden.

Technisches

In den ersten Betriebsjahren wurden die Rollböcke ohne Zwischenwagen gefahren und müssen über Körting-Saugluftbremsen verfügt haben. Mit dem Bau der Bremswagen 151-153 in den Jahren 1936-1941 wurden die eigenen Bremsanlagen überflüssig und konnten ausgebaut werden. Die Angaben zu den Ladungsgewichten bewegen sich in den Unterlagen zwischen 12,5 und 17,5 to.

Bekannte Rollböcke der Bielefelder Kreisbahnen:
Fahrzeugnummer Hersteller Fabriknr. Baujahr Typ Achsfolge
BKrB "55" ? ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "53" ? ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "54" ? ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "59" ? ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "62" ? ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "63" ? ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "69" ? ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "70" ? ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "71" ? ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "72" ? ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "73" ? ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "75" ? ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "76" ? ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "77" Westwaggon ? 1938 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "78" Westwaggon ? 1938 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "79" Westwaggon ? 1938 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "80" Westwaggon ? 1938 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "86" ? ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "95" Weyer ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "96" Weyer ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "97" Weyer ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "100" Weyer ? 19xx 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "101" ? ? 1920 2       Verbleib ist unbekannt
BKrB "102" ? ? 19xx 2       Fahrzeug wurde verschrottet


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