Schötmarsche Straßenbahn GmbH


In dem kleinen Ort Schötmar blickte man Anfang des 20. Jahrhunderts in den benachbarten Kurort Bad Salzuflen. Dort war 1909 eine Pferdebahn eröffnet worden, die den Bahnhof mit den Kuranlagen verband. Angeregt durch den Betrieb in Bad Salzuflen wollte man auch in dem kleinen Städtchen Schötmar zu dem Kreis der Städte mit einer eigenen Straßenbahn gehören. So wurde der bescheidene Betrieb der "Schötmarschen Straßenbahn GmbH" am 25.6.1912 eröffnet. Im Geschäftsjahr 1913/14 wurden 20.758 Fahrgäste befördert, im darauf folgenden Jahr waren es nur noch 9.540. Die Einnahmen halbierten sich entsprechend von 1.890 RM auf 942 RM, folglich wurde der Betrieb im Jahr 1915 wieder eingestellt.


Sommer 1912: Bereits vier Wochen nach der Eröffnung der Schötmarschen Straßenbahn wurde diese Postkarte abgestempelt. Sie zeigt einen der beiden Pferdebahnwagen an der Endstelle am Marktplatz in Schötmar. Das Gleis im Vordergrund ist die vorbereitete Verlängerung zum Bahnhof Schötmar, die erst nach der Betriebseröffnung im Jahr 1912 fertig gestellt wurde. Das Pferd wurde bereits umgespannt und wird bald durch die Schlossstraße nach Bad Salzuflen zurücktraben. Die seltene Postkarte stammt aus dem > Archiv von Rainer Böhmer.

Streckenverlauf: Die Strecke begann in Schötmar in der Begastraße, der Endpunkt lag in Schötmar zunächst am Marktplatz. Noch im ersten Betriebsjahr wurde der Endpunkt zum Bahnhof Schötmar verlegt. Am Marktplatz bog die Strecke in die Schlosstraße ein und folgte dieser in Richtung Bad Salzuflen. In Bad Salzuflen traf sie an der heutigen Osterstraße auf die Strecke der Bad Salzufler Straßenbahn. Diese Strecke wurde bis zum gemeinsamen Endpunkt Kurhaus mit benutzt. Die Streckenlänge der Schötmarschen Straßenbahn wird bis 1912 mit 1,61 km und nach der Verlängerung zum Bahnhof Schötmar mit 1,73 km angegeben.

Weitere Pläne: In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg gab es konkrete Pläne für den Bau einer Straßenbahn Bünde - Schötmar. Diese Straßenbahn sollte zwischen Herford und Bad Salzuflen die Trasse der Herforder Kleinbahnen nutzen. Zu dieser schon vorhandenen Strecke sollte zwischen Herford und Bünde und zwischen Salzuflen und Schötmar ein neuer Streckenast hinzukommen. Das Projekt stieß auf den Widerstand der Herforder Kleinbahnen, die einem gemischten Betrieb nicht zustimmen wollten. Nach dem ersten Weltkrieg wurde das Projekt zu den Akten gelegt. Nach dem Scheitern dieses Projektes wurden die Gleise im Jahr 1924 abgebaut.

Fahrzeuge: Die Schötmarsche Strassenbahn beschaffte 1912 zur Eröffnung zwei gebrauchte Pferdebahnwagen von der Elektrischen Strassenbahn Barmen-Elberfeld. Sie wurden noch in Elberfeld auf Meterspur umgespurt und im Juni 1912 angeliefert. Die leichten Wagen hatten vier Seitenfenster und ein besonderes Dach: Das Tonnendach hatte zu den Seiten und zu den Fronten kleine Lüftungsfenster. An den Plattformen war es leicht nach oben gezogen und bot dem Personal etwas mehr Höhe. Nach der Stillegung im Jahr 1915 wurde mindestens ein Wagenkasten verkauft und stand bis 1945 als Gartenlaube in der Lehmkuhlstrasse.
Fahrzeugnummer Hersteller Fabriknr. Baujahr Typ Achsfolge
Schötmar "1" SBE ? 18xx 2       Verbleib ist unbekannt
Schötmar "2" SBE ? 18xx 2       Verbleib ist unbekannt


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