Wallückebahn





Titelbild der Eröffnungsbroschüre
aus dem Jahr 1897
Die Initiative zum Bau der Wallückebahn ging vom Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein (GMBHV) aus, der für sein Stahlwerk in Georgsmarienhütte das Erz an der Wallücke abbauen wollte. Für den Transport zur Staatsbahn entschied man sich für den Bau einer Kleinbahn mit der Spurweite von 60 cm. Die Bahn wurde nach dem preussischen Kleinbahngesetz gebaut und diente neben der Erzabfuhr auch dem öffentlichen Verkehr.

Beim Bau der Strecke wurden Entwicklungen des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein (GMBHV) im Gleis- und Fahrzeugbau verwendet. Die Wallückebahn sollte den Beweis antreten, dass auch auf 60 cm Spurweite ein vollwertiger Kleinbahnbetrieb möglich ist.

Die Strecke verlief vom Bahnhof Kirchlengern zunächst nach Obernbeck. Dort zweigte eine kurze Stumpfstrecke zum Bahnhof Löhne ab. Die Hauptsrecke folgte der Landstrasse und führte über Mennighüffen, Tengern und Schnathorst bis zum Endpunkt Wallücke.
Die Streckenlänge betrug 17,2 km. Im Jahr 1909 wurde die Streckenführung bei Obernbeck verändert.

Die Ausstattung der Bahn war bescheiden: In Kirchlengern gab es einen dreiständigen Lokschuppen mit Werkstatt sowie ein Sturzgerüst für die Verladung des Erzes in die Staatsbahnwagen. An den Unterwegshalten fanden sich nur kleine Wartehäuschen oder bescheidene Güterschuppen. Am Endpunkt Wallücke gab es eine viergleisige Bahnhofsanlage mit Verladeeinrichtungen und Lokschuppen.

Der Betrieb wurde am 1.10.1897 eröffnet. Bereits 1917 wurde der Erzstollen an der Wallücke stillgelegt und der Erzverkehr aufgegeben - damit entfiel der Hauptverkehr der Bahn. Der GMBHV stellte sofort einen Stillegungsantrag, dem 1923 teilweise stattgegeben wurde: Danach verkehrte die Bahn nur an den Wochenenden, am 6. Dezember 1923 wurde der Betrieb ganz stillgelegt. Nach der Stillegung traten die Anliegergemeinden in Verhandlungen ein, um die Bahn zu retten. Im Oktober 1925 wurde die "Kreisgesellschaft Wallückebahn" gegründet, an der die benachbarten Kreise Lübbecke, Herford und Minden beteiligt waren. Am 15. Oktober 1925 wurde die Wallückebahn zum zweiten Mal eröffnet - nun unter Betriebsführung der Herforder Kleinbahnen.

Unter der neuen Betriebsführung konnte sich die Bahn noch einige Jahre halten: An den Wochenenden entwickelte sich der Ausflugsverkehr recht gut, dazu kam der Sandtransport von der eigenen Sandgrube nördlich Löhne. Im Personenverkehr war die Bahn gegenüber dem entstehenden Kraftverkehr nicht konkurrenzfähig. Hier setzte die Spurweite von 60 cm der Bahn ihre Grenzen.

Nach 12 Jahren wurde die Bahn ein zweites Mal stillgelegt: Am 25. November 1937 endete der planmäßige Verkehr - am 7. Dezember 1937 verkehrte noch einmal ein Abschiedszug. Alle Fahrzeuge und Bahnanlagen wurden im folgenden Jahr abgebrochen und zerlegt, die Trasse verschwand bei den Strassenverbreiterungen in den folgenden Jahren.

Heute erinnert an die Wallückebahn nur noch das Bahnhofs- und Verwaltungsgebäude in Kirchlengern und ein Stück eigener Bahnkörper bei Tengern. Wer einen Eindruck vom Reiseverkehr auf 60 cm Spurweite gewinnen möchte, sollte die Dampf-Kleinbahn Mühlenstroth (DKBM) besuchen: Dort stehen Lokomotiven und Personenwagen im Einsatz, die den Fahrzeugen der Wallückebahn ähnlich sind.


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