Paderborner Elektrizitätswerk und Strassenbahn AG (PESAG)



Das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk AG (RWE) bemühte sich um die Jahrhundertwende um Absatzgebiete für den von ihm erzeugten Strom. Dazu wurden durch Aktienkauf mehrere regionale Elektrizitätswerke übernommen, von denen einige Strassenbahnen betrieben. Das RWE übernahm damit verschiedene Geschäftsfelder, die sich gegenseitig ergänzten: Es lieferte den Strom für Haushalte, Industriebetriebe und den Strassenbahnverkehr.

1906 übernahm das RWE die Westfälische Kleinbahnen AG und damit auch die Strassenbahn in Paderborn. Am 9. Januar 1909 wurde mit der Stadt Paderborn und der Provinz Westfalen die Paderborner Elektrizitätswerk und Strassenbahn AG (PESAG) gegründet. In diese Gesellschaft brachte das RWE die Paderborner Strassenbahn ein. Bis 1918 kaufte die PESAG schrittweise die Aktien der Detmolder LEAG auf und gliederte den Betrieb am 1. Juli 1922 offiziell in die PESAG ein. Damit waren die Strassenbahnen im Bereich Paderborn / Detmold in einer Gesellschaft zusammengefasst.

Ab 1909: Modernisierung und Ausbau des Paderborner Netzes

Die PESAG modernisierte den Betrieb ab 1910 grundlegend: In Paderborn wurde im Tegelweg ein neuer Betriebshof gebaut, die Betriebsspannung von 550 auf 800 Volt erhöht und neue Fahrzeuge in Betrieb genommen. Das Streckennetz wurde durch Strecken ins Umland erweitert:

1911: Paderborn - Schlangen
1912: Schlangen - Horn (neue Depots in Schlangen und Horn)
1913: Paderborn - Elsen

1920: Übernahme des Detmolder Netzes (LEAG) und weiterer Ausbau

Nach der Übernahme der LEAG wurde 1920 die Strecke von Horn nach Detmold verlängert. Die Linie endete zunächst am Hornschen Tor, da wegen der unterschiedlichen Betriebsspannung kein gemeinsamer Betrieb möglich war. 1923 wurde auch in Detmold die Betriebsspannung auf 800 Volt erhöht und die Netze betrieblich vereinigt: Nun war durchgehender Betrieb von Detmold bis Paderborn möglich. Das gemeinsame Netz wurde in den folgenden Jahren erweitert:

1924: Horn - Bad Meinberg Kurpark
1925: Verlegung der Hauptwerkstatt aus Neuhaus zum Tegelweg in Paderborn.
1926: Bad Meinberg - Blomberg
1926: Detmold - Heidenoldendorf (1928 bis Pivitsheide)

Das Streckennetz hatte damit eine Gesamtlänge von knapp 80 Kilometern erreicht (zum Vergleich: Die Herforder Kleinbahnen kamen auf etwa 40 km Streckenlänge). Es gelang der PESAG nicht, auf diesen Strecken nennenswerten Güterverkehr zu gewinnen. Der Personenverkehr konnte mit den Strassenbahn-Fahrzeugen äußerst sparsam durchgeführt werden - die Einnahmen reichten für den Unterhalt der langen Strecken aber nicht aus. So wurde 1936 (nach nur 10 Betriebsjahren!) die Strecke nach Blomberg stillgelegt, 1942 folgte der kurze Streckenabschnitt Berlebeck - Johannaberg. 1935 wurden die Externsteine zur "völkischen Gedenkstätte" erklärt und die Reichstrasse 1 mit der Strassenbahnstrecke in diesem Bereich umgelegt. Bis 1941 gab es einen Pendelbetrieb Horn - Externsteine.

Ab 1951: Stillegung des Strassenbahnverkehrs

Im 2. Weltkrieg kam es noch einmal zu erhöhten Transportzahlen, danach war das Verkehrsaufkommen deutlich rückläufig. Im Jahr 1951 wurde von der PESAG beschlossen, den Strassenbahnbetrieb zügig durch Busse zu ersetzen. So wurden keine neuen Fahrzeuge angeschafft und die vorhandenen Betriebsmittel bis zur Betriebseinstellung nur geringfügig modernisiert und instand gehalten. Zunächst wurden Überlandlinien im Bereich Detmold stillgelegt:

1951: Horn - Bad Meinberg
1953: Schlangen - Horn

Damit war das Streckennetz unterbrochen und in einen Detmolder und Paderborner Betriebsteil aufgeteilt.

Im Sommer 1954 unternahmen Friedrich und Helmut Beyer ausgedehnte Radtouren entlang der PESAG. Der Betrieb in Detmold lag in den letzten Zügen und war für Strassenbahnfreunde ein uriges Reiseziel. Mangels Fotoapparat wurden die Erlebnisse des 14.6.1954 zu Hause aus dem Gedächtnis in ein Skizzenheft eingetragen: Zu sehen ist der Betriebshof "Centrale" in Detmold mit den Wagen 2, 29 und 33. Links neben der Wagenhalle ist der Streckenverlauf entlang der Landstraße nach Berlebeck angedeutet (Zeichnung: Friedrich Beyer).

1954 wurde der Detmolder Betriebsteil stillgelegt:

1954: Horn - Detmold
1954: Detmold - Pivitsheide
1954: Detmold - Hiddesen / Berlebeck

Danach folgten die Überlandstrecken im Bereich Paderborn:

1958: Paderborn - Elsen
bis 1959: Schlangen - Marienloh - Paderborn (in Abschnitten)

1962 wurde der Abschnitt Sennelager-Neuhaus und am 27. September 1963 mit der Strecke Paderborn - Neuhaus der letzte Abschnitt stillgelegt. Alle Strecken wurden nach der Stillegung zügig abgebaut, die Trassen gingen fast vollständig in Strassenbverbreiterungen auf. Alle Fahrzeuge wurden verschrottet.

Betriebshöfe

Wagenhallen gab es in Neuhaus (1900 - 1910), Paderborn Tegelweg (1910 - 1963, heute Supermarkt), Schlangen (1912 - 1959), Horn (1912 - 1953), Detmold (1900 - 1954, heute Umspannwerk) und Blomberg (1928 - 1936). Die Hauptwerkstatt der Strassenbahn Paderborn war zunächst in Neuhaus und wurde 1910 zum Tegelweg in Paderborn verlegt (geschlossen 1963).


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